DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR!

In der letzten Ausgabe sinnierte unser Philosoph über anonyme Beerdigungen und dem Warum von solchen.

Das war für uns Grund, uns einmal mit dem Prozedere von Beerdigungen zu befassen, und zu versuchen, den Grund für die anonymen Bestattungen zu finden.

In den letzten Monaten sind einige Menschen aus unserem Bekanntenkreis verstorben und gerade bei finanziell schwachen bzw. wohnungslosen Menschen ist es uns in der letzten Zeit aufgefallen, dass immer mehr von ihnen einfach anonym irgendwo auf dem Friedhof begraben werden.
In der Regel wird bei Todesfällen ein Beerdigungsinstitut mit der Bestattung des Verstorbenen betraut und normalerweise erledigt dieses Unternehmen alle notwendigen Formalitäten bis hin zur Trauerfeier.

Wenn die Hinterbliebenen nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um eine Beerdigung auszurichten und diese zu bezahlen, kann beim Sozialamt ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden, welchem normalerweise auch entsprochen wird. Werden keine Angehörigen eines verstorbenen Menschen ausfindig gemacht, ist das Standesamt verpflichtet, für eine Bestattung des Toten zu sorgen.

Das Standesamt beauftragt dann die Friedhofsverwaltung mit der Ausführung, welche dann natürlich kostengünstig ausfallen soll. Die preiswerteste Variante ist nun mal die anonyme Bestattung, ohne Trauerfeier und Grabrede, ohne Stein, Kreuz oder anderen Grabschmuck.

In der Friedhofsverwaltung Freiburg sagte man mir, dass es inzwischen einen bundesweiten Trend zu anonymen Beerdigungen gibt. Mittlerweile finden im Bundesgebiet ca.30% aller Begräbnisse anonym statt, in Freiburg sind es zwischen 5 und 10%.

Oftmals haben Verstorbene zu Lebzeiten diesen Willen ausdrücklich verfasst. Das liegt meist daran, dass sie Angehörigen nach dem Tod nicht mehr zur Last fallen wollen, sei es durch hohe Kosten für die Beerdigung oder jahrelange Grabpflege.

Diesen letzten Willen muss man ja akzeptieren, doch was ist mit den vielen Armen und Obdachlosen, die sich zu Lebzeiten sicher nicht um die Art und Weise ihrer Beerdigung gekümmert haben? Die werden dann wie gesagt im Auftrag des Standesamtes bestattet, billig und anonym.

In Freiburg heißt das, es gibt eine Feuerbestattung und dann wird die Urne auf ein anonymes Gräberfeld überführt. Auch bei diesem Vorgang wird natürlich darauf geachtet, dass die Beisetzung der Urne kostengünstig ausfällt, so werden an einem Termin gleich mehrere Urnen anonym beigesetzt.

Natürlich bekommt jeder Verstorbene seine eigene Grabstelle auf diesem anonymen Feld, aber wer an welcher Stelle beigesetzt wurde, das weiß nur die Friedhofsverwaltung selbst. Bei dieser Art von Beerdigung werden weder der Ort noch die Zeit bekannt gegeben, sodass man wirklich nicht die geringste Möglichkeit hat, einen Freund auf seinem letzten Weg zu begleiten.

Auch danach hat man keine Chance, ihm die letzte Ehre zu erweisen, weil die Friedhofsver-waltung auch nach der Bestattung keine Auskunft darüber gibt, wo der Freund denn nun liegt. Es wird nur auf das anonyme Gräberfeld verwiesen und somit nur ein sehr grober Anhaltspunkt gegeben.

Eine anonyme Bestattung soll auch anonym bleiben, so die Friedhofsverwaltung. Das mag ja alles richtig sein, aber in meinen Augen doch nur, wenn der Verstorbene es so wollte! Am Ende liegt doch alles wieder am schnöden Geld, warum einkommensschwache und obdachlose Menschen häufig anonym und ohne Aufwand unter die Erde gebracht werden. Dabei sind die reinen Kosten für eine Urnenbeisetzung in einem Reihengrab bei einer anonymen Beerdigung sogar höher als im normalen Grab.

Bei einer Nutzungszeit von 15 Jahren kostet ein normales Grab für eine Aschenbeisetzung 347,- Euro. Die Gebühr für ein anonymes Urnengrab beträgt für denselben Zeitraum 553,- Euro. Während allerdings bei einem normalen Grab die Angehörigen für die Pflege sorgen oder diese gegen Bezahlung in Auftrag geben, entfällt beim anonymen Grab die Pflege und somit entstehen keine weiteren Kosten.

Meiner Ansicht nach wird hier wieder einmal bei den ärmeren Menschen gespart, selbst nach deren Tod, und das darf es einfach nicht geben! Dieser Ansicht ist auch Pfarrer Rasch von der Herz Jesu Gemeinde im Stühlinger.

Seiner Meinung nach hat jeder Mensch eine Totenfeier verdient, egal ob er nun zu Lebzeiten religiös war oder nicht, zum Tod gehört auch eine würdige Bestattung und keine Entsorgung!

Wenn eine Beerdigung und die dazugehörige Trauerfeier anstehe, sollte es in erster Linie um den Menschen und seine Würde gehen und nicht das Sparen in den Vordergrund gestellt werden!

"Denn der Mensch bleibt Mensch und wird auch durch den Tod nicht zur Sache, unabhängig von seinem Status", sagte Pfarrer Rasch. "Die Würde des Menschen ist unantastbar, auch im Tod!“

Carsten

März 2014

Dieser Artikel von Carsten
steht in der Märzausgabe 2014