Unser Team






Unser Team: Uli



Uli Hermann mit Uli-Büste

Ich bin Uli und mit meinen 49 50 52 54  55  56 57 Jahren mit einer der Ältesten im FREIeBÜRGER-Team. Ursprünglich komme ich aus Krefeld, wo ich ganz normal meine Schule gemacht habe, danach eine Lehre als Industriekaufmann und auch ein paar Jahre (kein Witz!) im Arbeitsamt gearbeitet habe. 1983 verließ ich dann aus persönlichen Gründen Krefeld und konnte mir damals wirklich nicht vorstellen, wie mein zukünftiges Leben weitergehen würde

Ursprünglich wollte ich nach Frankreich um dort Erntearbeiten zu machen, allerdings lernte ich hier in Freiburg direkt am ersten Tag einige Menschen von der Straße kennen, so dass der Frankreichaufenthalt erst einmal verschoben wurde. Wir wohnten damals so mit 10 Leuten in einer Schutzhütte am Kanonenplatz und hier wurde ich auch in die Kunst des Bettelns und Schnorrens eingeführt.

Sie merken schon, die Arbeit in Frankreich musste noch warten. Im Frühjahr 84 ging`s dann zu Fuß von Freiburg aus nach Südfrankreich und im Spätsommer wieder zurück. Den Winter von 84/85 verbrachte ich in Freiburg und konnte das erste Mal feststellen, was ein Mensch aushalten kann, denn nachts ging das Barometer auf Minus 20 Grad runter und wir machten bei diesem Wetter Platte.

So verlief dann mein Leben bis 1988, im Frühjahr ab nach Frankreich und im Spätsommer wieder zurück nach Freiburg.Im Herbst 1987 ging`s dann das erste Mal nach Italien - dass ich dabei zwei Tage später in Sizilien war, hätte ich mir vorher auch nicht vorstellen können.

Das war für mich schon ein kleiner Kulturschock in einem fremden Land zu sein, ohne die Sprache zu können. Ich hab mich allerdings dort schnell eingelebt und dieses Land lieben gelernt.

Ein tolles Gefühl, Heiligabend bei 16 Grad unter Orangenbäumen zu sitzen und aufs Meer zu schauen. Von da an wurde Sizilien so etwas wie meine zweite Heimat.1991 machte ich dann meine ersten Erfahrungen mit dem Leben im Bauwagen. Claus und ich kauften uns einen Bauwagen und Traktor.

Im Sommer fuhren wir dann von Freiburg bis nach Gronau in der Nähe von Münster. Da keiner von uns einen Führerschein hatte, war der Traktor auf 6 Stundenkilometer gesperrt und so konnten wir legal fahren. Auf Dauer war mir diese Art der Fortbewegung doch zu langsam und ich beschloss mit dem Fahrrad wieder zurück nach Freiburg zu fahren.Bis 1995 pendelte ich zwischen Sizilien (zum Überwintern) und Freiburg hin und her, wo ich dann jedes Mal in der Wagenburg im Rieselfeld lebte.

Am 1. April 1995 flog ich dann, nicht ganz freiwillig, zurück nach Deutschland und wollte nun ganz in Freiburg bleiben, denn dieses hin und her pendeln ist eigentlich auch nichts anderes wie eine Flucht vor seinen eigenen Problemen. Für mich war klar, wenn ich schon wieder sesshaft werde, möchte ich in der Wagenburg wohnen, denn allein in einer Wohnung zu leben, kann ich mir nicht vorstellen. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, wie es mit unserer Wagenburg weitergehen wird – nun, letztendlich haben wir es doch gemeinsam geschafft einen legalen Platz zu bekommen.

Als im Sommer 98 die erste Ausgabe des FREIeBÜRGER erschien, stand ich diesem Projekt skeptisch gegenüber, da allerdings das Betteln verboten war, entschloss ich mich den FREIeBÜRGER zu verkaufen. Wie die meisten von uns, konnte ich mir damals nicht vorstellen einmal aktiv bei der Zeitung mitzumachen. Uwe überredete mich in einer durchzechten Nacht: „Setz dich mal an den Rechner und schreib was!“ - tja so hat meine „Karriere“ beim FREIeBÜRGER angefangen.

Die ersten Artikel schrieb ich noch auf der Schreibmaschine, da ich mit dem modernen Kram, wie Computer nichts zu tun haben wollte. Doch stellte ich sehr schnell fest, dass das doppelte Arbeit ist, denn das getippte Papier muss ja irgendwie in den Computer kommen. Da es am Anfang noch kein richtiges Büro gab, habe ich den Außenvertrieb (in der Eisenstraße am Münsterplatz) der Zeitung übernommen, mein Rucksack war immer mit Zeitungen gefüllt und die Verkäufer konnten bei mir die Zeitungen holen, dass mach ich auch heute noch.

Im April 2000, eine der ersten schweren Krisen des FREIeBÜRGER, stieg ich dann zum „Chefredakteur“ auf, denn einer muss ja den Kopf aus presserechtlichen Gründen hinhalten. Als im April der Bundesverband sozialer Straßenzeitungen in Hannover gegründet wurde, wurde ich als Vertreter der Verkäufer in den Vorstand gewählt und in diesem Jahr habe ich mich entschlossen aus den Vorstand auszusteigen, um mich nur noch um unsere Zeitung zu kümmern.

Mir ist es wichtig, die ursprüngliche Form einer Straßenzeitung zu erhalten und nicht einmal so einer Art Stadtzeitung mit Veranstaltungshinweisen zu werden, obwohl wir mit unserer Art von Berichterstattung bestimmt manchmal anecken. Für mich war es schon immer selbstverständlich, nicht nur zu meckern, sondern man sollte auch aktiv handeln und meiner Meinung nach lohnt sich das - anders wäre es bestimmt nicht möglich gewesen seit nun 2 Jahren auf einem legalen Bauwagenplatz zu leben. Von daher bin ich beim FREIeBÜRGER inhaltlich auch meistens für soziale Themen verantwortlich.

Da ich schon immer gerne fotografiert habe, kümmere ich mich auch bei der Zeitung um das Bildmaterial, was manchmal gar nicht so einfach ist. Durch den Vertrieb hatte ich ja schon immer mit Geld zu tun, und so war es natürlich nahe liegend, dass ich im Verein im Vorstand für die Kasse zuständig bin.

Diese Arbeit beim FREIeBÜRGER ist für mich mittlerweile sehr wichtig geworden, obwohl manchmal kribbelt es schon einfach den Rucksack zu packen und in warmen Süden abzuhauen. Natürlich hat jeder Mensch auch seine negativen Seiten, ich gehöre zu den Menschen, die leider erst auf dem letzten Drücker, als kurz vor Druckabgabe arbeiten können.

Wenn mich jemand fragt, ob ich in meinem Leben irgendwelche Dinge aus heutiger Sicht gesehen anders machen würde, kann ich nur antworten: Nein, ich bin bisher trotz aller Höhen und Tiefen zufrieden, wie mein bisheriges Leben verlaufen ist und ich hoffe, der Rest wird auch spannend bleiben.

Uli