THEATER INSTRUMENTAL

„DIE VERKAUFTE STADT“

„Theater Instrumental“ will mit seinem neuen Stück „Die verkaufte Stadt“ nicht nur auf die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt in Freiburg und vielen anderen Städten im Land aufmerksam machen, sondern es möchte das Theater auch wieder auf die Straße bringen, um es Menschen aus möglichst vielen verschiedenen Schichten zu ermöglichen, Theater hautnah zu erleben.


„Die verkaufte Stadt“
Einer der erfolgreichsten Immobilienmakler des Landes hat den verrückten Traum, die ganze Stadt an einen riesigen Investor zu vermitteln und von diesem zum Hausverwalter und somit zum Immobilienkönig der gesamten Stadt ernannt zu werden.

Er ist dabei alles zu tun, um diesen Traum zu verwirklichen, als seine Tochter – verzweifelt mit dieser Situation – einen strategischen Plan entwirft, um ihn von dieser Schnapsidee abzubringen.
Sie engagiert für die Umsetzung ihrer Idee eine Theatertruppe. Die Rettungsaktion zeigt die absurde Situation des Kampfes um Wohnraum, bei dem fast immer die Privilegierten am längeren Hebel sitzen und die, die wenig haben, verdrängt werden. Im Zuge der aktuellen Brisanz der Wohnraumknappheit und der konstant steigenden Miet- und Immobilienpreise in den großen Städten des Landes widmet sich das Theater Instrumental mit diesem Stück der Frage:

Wem gehört die Stadt – den Menschen, die sie bewohnen, oder Immobilienmaklern und unsichtbaren Investoren?

Marcelo Miguel gab dem FREIeBÜRGER ein Interview:

Hallo Marcelo, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nehmen konntest, dem FREIeBÜRGER ein kleines Interview zu geben. Meine erste Frage an Dich ist, warum bist Du Schauspieler und später Theaterregisseur geworden?

Ich bin in einem Armenviertel in São Paulo aufgewachsen. Dort gab es nicht viel Interessantes zu entdecken. Das Leben war sehr trostlos. Mit 15 Jahren habe ich zufälligerweise ein Theaterstück in einer Einrichtung von „Monte Azul“ gesehen. Das hat mich so fasziniert, dass ich mich dafür entschloss, Schauspieler werden!
Dein aktuelles Stück „Die verkaufte Stadt“ ist ein Straßentheaterprojekt. Aus wie viel DarstellerInnen besteht es, und aus welchen Bereichen kommen sie?
Mit mir sind wir sechs Schauspieler in dieser Produktion. Agnes und Lena sind ausgebildete Sängerinnen der Musikhochschule in Freiburg, Vital Soares ist ein professioneller Musiker aus Brasilien und Thomas sowie Rita sind ausgebildete Artisten aus Granada/Spanien.
Wie habt Ihr Euch zusammengefunden?
Schon seit ein paar Jahren wollte ich eine Theatergruppe in Freiburg gründen. Ich habe durch meinen Beruf und durch Auftritte auf der ganzen Welt viele Schauspieler aus ganz unterschiedlichen Bereichen kennenlernen dürfen. Dadurch sind auch viele Freundschaften entstanden. Ich habe sie einfach gefragt, ob sie bei diesem Projekt mitmachen wollen.
Warum möchtet Ihr auf belebten Plätzen, wie zum Beispiel auf dem Augustiner-Platz in Freiburg, auftreten und nicht in einem Theater?
Wir wollen natürlich auch im Theater spielen, aber nicht nur! Auf der Straße trifft man Menschen, die nie in ein Theater gehen würden, oder auch gar nicht das nötige Geld besitzen, um sich die Eintrittskarte zu leisten. Es ist für uns zusätzlich auch eine wunderbare Übung vor Menschen zu spielen, die einfach gerade spontan unterwegs sind und sich plötzlich und unerwartet ein kostenloses Theaterstück anschauen können.
Nicht nur in Freiburg, auch in vielen anderen großen Städten des Landes herrscht akute Wohnraumknappheit, und die konstant steigenden Mietpreise bilden für viele Wohnungssuchende eine unüberwindbare Hürde. Wird Deiner Meinung nach das Wohnraumproblem in der Öffentlichkeit nicht nur zu wenig, sondern auch auf falscher Ebene diskutiert?
Ich bin der Meinung, dass wir die jetzigen Verhältnisse auf unserer Welt ändern können, und wir dürfen nicht daran glauben, dass nur unsere Politiker etwas bewegen können. Wir müssen daran glauben, dass wir alle gemeinsam mächtig genug sind, unsere Zukunft selbst zu gestalten. Nur meckern und herumdiskutieren hilft nicht. Wir müssen uns endlich bewegen, um etwas zu bewegen!
Im Zuge dieser aktuellen Brisanz widmet sich das „Theater International“ mit seinem aktuellen Stück „Die verkaufte Stadt“ mit der Frage: „Wem gehört die Stadt – den Menschen, die sie bewohnen, oder Immobilienmaklern und unsichtbaren Investoren?“ Kannst Du uns eine Antwort darauf geben?
Im Augenblick gehört die Stadt einer kleinen Anzahl von Investoren und Hausbesitzern. Dieser geringe Prozentsatz ist mächtig genug, um mit ihrem Kapital über eine Stadt zu herrschen. Wir wollen einfach nur einmal über die bestehenden „Besitzverhältnisse“ diskutieren!
Das Theater galt in seinem traditionellen Ursprung als Bühne und Forum, um allen Menschen gleichermaßen, gesellschaftliche Anliegen zugänglich zu machen. Hat sich daran in der heutigen Zeit etwas verändert?
In der heutigen Zeit ist das Theater leider allzu oft nur ein Ort der Unterhaltung. Die Menschen gehen ins Theater, um einen schönen Abend zu verbringen und um sich zu vergnügen.
Das Ordnungsamt Freiburg sieht das aber wohl anders, und verwehrt Euch das öffentlich zugängliche Theaterspielen mit der Begründung, dass kein Raum für solch eine Art von „Veranstaltung“ vorhanden wäre. „Traditionelle“ Veranstaltungen hingegen, wie zum Beispiel das Weinfest, bekommen meist ohne große Probleme eine Genehmigung. Warum dann nicht auch Ihr? Schreiben vom „Amt für öffentliche Ordnung
Wir sind nicht sonderlich bekannt, treten auf keinen großen Events auf, haben weder einflussreiche Familien, noch kennen wir Politiker, die sich für uns stark machen. Die Stadt vergibt natürlich nicht wahllos Genehmigungen für Veranstaltungen, aber meiner Meinung nach wird hier viel zu oft mit zweierlei Maß gemessen. Meiner Meinung nach spielt bei der Vergabe der wirtschaftliche Nutzen für die Stadt Freiburg eine vorrangige Rolle. Eher denke ich, dass Theaterstücke, wie z.B. „Die verkaufte Stadt“, den Obrigen Herren etwas sauer aufstoßen. Die Stadt Freiburg muss es Künstlern gestatten, ihre Themen auf öffentliche Plätze bringen zu dürfen, und gerade das ist auch sehr wichtig, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, und um es damit den Künstlern zu ermöglichen, mit ihrem Publikum in lebendigen Dialog zu kommen. Das macht „traditionelles“ Theater nämlich erst aus! Der öffentliche Raum, als Bühne und Forum für gesellschaftliche Anliegen, ist ein demokratischer Raum, der allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein muss. Unsere (?) „Green City“ stellt sich in der Öffentlichkeit als offen und tolerant dar, die Realität sieht aber leider anders aus!
Was sind Deine nächsten Schritte? Nimmst Du dieses Verbot vom Ordnungsamt so einfach hin?
Wir werden nicht aufgeben, wir werden weiterhin für unsere Sache kämpfen. Wir machen das aber nicht alleine wegen uns oder wegen unserem Theaterstück, sondern wir machen das auch für die BürgerInnen, da wir denken, dass jeder Bürger das Recht hat, den öffentlichen Platz und Raum mitzugestalten.
Stehen neue Theater-Projekte an? Und wo und wann?
Im Moment läuft die Arbeit an unserer neuen Produktion „Die Farben der Schatten“, welches im Herbst Premiere feiert.
Wo und wann finden Eure nächsten Auftritte statt?
Termine für weitere Aufführungen von „Die verkaufte Stadt“ und anderer Stücke der Gruppe findet man auf unserer Homepage unter theater-instrumental.de
Vielen Dank, Marcelo, für das Interview mit Dir. Der FREIeBÜRGER wünscht Euch viel Glück und Erfolg bei Euren nächsten Auftritten!

Ekki

In dem Schreiben vom „Amt für öffentliche Ordnung“ heißt es wortwörtlich:

„Da im Straßenrecht (öffentliches Recht) der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt, kann die Zulassung von Veranstaltungen prinzipiell nicht vom Inhalt einer Veranstaltung abhängig gemacht werden, weil dies ja eine Wertung zwischen „guten“ und „nicht erwünschten“ Veranstaltungen voraussetzt, die uns nicht möglich ist. Die Freiburger Innenstadt ist bereits durch den Wochenmarkt, die zahlreichen traditionellen Veranstaltungen und durch Straßenmusik bzw. Straßenkunst stark ausgelastet. Weitere Belastungen sind derzeit durch die Baustellen am Rotteckring und am Rande der Innenstadt (Kronenbrücke) mit verkehrlichen Auswirkungen bis in die Fußgängerzone hinein vorhanden. Auch deshalb können weitere Veranstaltungen und Aktionen nur sehr restriktiv zugelassen werden. Dabei sind wegen der Auswirkungen auf Anlieger gerade Aktionen mit (Begleit-) Musik in der Innenstadt regelmäßig nicht erlaubnisfähig.Daher müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir für die Aufführungen keine öffentlichen Plätze oder Straßenplätze zur Verfügung stellen können.“

Wir als FREIeBÜRGER e.V., appellieren an das Ordnungsamt Freiburg, seinen Standpunkt und dessen Argumentation zu überdenken. Wir halten es nicht nur für kulturell wertvoll und unersetzbar, sondern auch für eine Bereicherung für Menschen in Freiburg, dass offenes Theater (auch mit „kritischen Themen) auf öffentlichen Plätzen erlebt werden kann. Liebe Stadt Freiburg, wie wäre es denn z.B. mit einem „Freiburger Sonntagstheater“ auf einem der öffentlichen Plätze in der Stadt?