Ausgabe
Mai 2013

Doppelausgabe


Dieser Artikel von Nils steht in der Ausgabe Mai 2013






VON STUFEN UND ROLLEN



Waage So wäre es optimal....

Hallo liebe Leserinnen und Leser, ich heiße Nils und bin 15 Jahre alt. Ich gehe auf das Kepler-Gymnasium und war vom 8. bis zum 12. April im Rahmen meines Sozialpraktikums bei FREIeBÜRGER.

Dort habe ich mich entschieden, einen Artikel über die Barrierefreiheit in Freiburg zu schreiben, da ich selber im Rollstuhl sitze und es für „Normale“ schwer sein kann, dieses Thema zu verstehen.

Doch da stellt sich für mich die Frage: Was ist überhaupt Barrierefreiheit?

Es bedeutet für mich die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und problemloses Erreichen meiner Ziele, bestenfalls ohne fremde Hilfe. Was das genau bedeutet, möchte ich an einem üblichen Tagesablauf von mir zeigen. Morgens werde ich um 7.15 Uhr von meinem „FSJ-ler“ zu Hause abgeholt.

Er bringt mich dann in meinem Rollstuhl zu meiner 10 Minuten entfernten Schule. Diese ist zu 100 % behindertengerecht, und damit meine ich:
Sie hat einen ebenerdigen Zugang. Ich kann jeden Bereich ohne große Probleme befahren mit Hilfe eines Aufzugs.

Und es gibt ein WC, das die nötigen Anforderungen erfüllt, wie zum Beispiel ein höhenverstellbares Waschbecken. Nach einem normalen Schultag „gehe“ ich oft mit Freunden in die Stadt.

Da stellt sich das erste Problem: die Straßenbahn. Ins Rieselfeld fahren oft nicht die „neuen“ Straßenbahnen, sondern die alten Bahnen mit nur einem Niederflurabteil.

Da reichen zwei Kinderwagen und ein Rollstuhl und es ist kein Durchkommen mehr. Viele Leute, mit denen ich ins Gespräch komme, sehen das genau so, zwei Beispiele sind Begleiter anderer Behinderter oder auch Rentner.

Wenn ich „Glück“ habe, dann kommt eine neuere Generation der Straßenbahnen. Aber auch da gibt es Komplikationen.

Einstieg Straba So sollte es nicht sein

Oft komme ich nämlich gar nicht mit meinem elektrischen Rollstuhl in die Straßenbahn hinein, weil die Schwelle von der Station in die Straßenbahn meist einfach zu hoch ist, obwohl sie bereits angeglichen wurde.

Die Angleichung bei manchen Stationen ist leider baulich nicht immer gelungen.

Es gibt aber die tolle Möglichkeit einer Klapprampe. Die kann ich bei einem Straßenbahnfahrer anfordern.

Viele Straßenbahnfahrer sind sehr hilfsbereit und nett, aber nicht jeder Fahrer ist sofort bereit, mir die Rampe zu geben.

„Das geht auch so!“ mit der Begründung „Die Anderen schaffen das auch“, höre ich jedes zweite oder dritte Mal.

Das mag auch sein, hilft aber in meinem Fall nicht weiter, da nicht nur mein elektrischer Rollstuhl eben kleinere Räder als andere hat. Mit Schwung verursache ich da unter Umständen Schaden an meinem Rollstuhl.

Rolli Vorbildlich....

Wenn ich dann doch in der Stadt angekommen bin, nutze ich gerne mit meinen Freunden die Zeit zum Bummeln. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Der „Nur-eine-Treppenstufe-zwischen-mir-und-dem-Laden“-Fall ist bei mir sehr unbeliebt.

Aber grundsätzlich bemühen sich auch die einzelnen Läden, sich barrierefrei einzurichten. Ein gutes Beispiel für das Entgegenkommen sind die höhenverstellbaren Tische der Sparkasse. Aber ausgerechnet manche Arztpraxen sind nicht zu 100 % barrierefrei:

Eine hohe Stufe vor einem Aufzug macht wenig Sinn. Alles in allem ist Freiburg meiner Meinung nach doch sehr behindertengerecht. Die Beispiele die ich genannt habe, waren ein paar der wenigen problematischen Stellen, die aber nerven.

Die Stadt geht mit gutem Beispiel in Sachen Barrierefreiheit voran. Einen Treppenlift für vier Stufen im Rathaus (siehe Foto Nr. 3) finde ich sehr vorbildlich. Und wenn man sich richtig informiert und darauf einstellt, gibt es kaum ein Hindernis, das nicht überwunden werden kann

.Auf der Internetseite „www.wheelmap.org“ kann man unter anderem auch in ganz Freiburg die Zugänglichkeit und andere wichtige Punkte vieler Einrichtungen einsehen.

Wenn ein paar der oben genannten Probleme behoben würden, wäre Freiburg ein Vorbild für viele andere Städte.

Mir hat das Praktikum bei FREIeBÜRGER großen Spaß gemacht. Es war entspannt und trotzdem habe ich viel gelernt.

Das gesamte Team hat mir bei Fragen unter die Arme gegriffen und geholfen. Ich werde die Zeit bei FREIeBÜRGER als positive Zeit in Erinnerung behalten und möchte mich hiermit bei allen bedanken!

Nils