EINE ROTE SCHLEIFE LEGT SICH UM DIE WELT

Am 21. April 2013 startete Kai Bagus den Motor seiner Krause-DUO, ein dreirädriges Krankenfahrzeug aus DDRZeiten, um durch eine 17.000 Kilometer lange Benefiz-Tour von Freiburg, über Odessa nach Wladiwostok auf das Thema HIV und AIDS aufmerksam zu machen.

Der gebürtige Oldenburger lebt seit über 25 Jahren in Freiburg. Auf die Idee kam er durch einen Zufall.

Ein Jahr zuvor nämlich, als er nach einer 6000 Kilometer-Tour durch Frankreich seine nächste Tour am PC plante, dieses Mal hatte er sich die Mittelmeerküste ausgesucht, kam er versehentlich auf Google Maps an die Maus, und landete in der Nähe von Wladiwostok. Für die Gegend rund um Wladiwostok hatte er sich schon immer interessiert. Interessehalber berechnete er mit Hilfe eines Routenplaners die Wegstrecke, ausgenommen der Autobahnen und Mautstrecken, und war überrascht, dass es nur 12.078 Kilometer waren.

Er hatte es sich immer viel weiter vorgestellt. Wladiwostok liegt am japanischen Meer, einem Randmeer des Pazifischen Ozeans, ist eine Großstadt mit ca. 600.000 Einwohnern und Russlands wichtigste Hafenstadt am Pazifik, bedeutender Witschaftsstandort und Verwaltungszentrum der Region Primorje. Kai besuchte Globetrotter-Treffen und unterhielt sich mit Menschen, die den Weg mit anderen Fahrzeugen, wie seinem 4 Ps starken Gefährt, gefahren sind, und hat sich über den Zustand von den Straßen kundig gemacht.

Wo kann man tanken, oder wo gibt es Reperaturwerkstätten, falls es doch einmal zu einer größeren Panne kommen sollte?
Gibt es vielleicht Probleme bei Grenzübertritten usw...
Das alles waren wichtige Fragen, die vorher beantwortet werden mussten.
Durch diese Informationen und auch durch die Tatsache, dass sich die Krause schon auf längeren Strecken bewährt hatte, und abgesehen von ein paar kleineren Pannen immer recht zuverlässig war, entschied er sich, die Herausforderung anzunehmen und das große Abenteuer Freiburg-Wladiwostok war geboren.

Wenn es schon auf eine so lange Reise geht, könnte man doch sicherlich dieses Abenteuer auch dafür nutzen, um auf Missstände in der Welt aufmerksam zu machen.
Mit solch einem Gefährt fällt man doch bestimmt auf, dachte er sich.

Da Kai sich seit langem für die Aidshilfe Freiburg engagiert, im Netzwerk „Positiv“ ehrenamtlich tätig und selbst seit über 15 Jahren HIV Positiv ist, sah er eine Chance darin, länder- und kontinentalübergreifend, auf die Immunschwächekrankheit aufmerksam zu machen, die in den letzten Jahren im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer mehr verschwunden ist.

Weltweit sind rund 34 Millionen Menschen von der unheilbaren Krankheit betroffen. Mit Hilfe von Caritas international ließ er sich ein paar soziale Projekte auf seiner Wegstrecke vorstellen. Seine Wahl fiel auf das von Sergey Kostin vor 16 Jahren gegründete Straßenkinder Hilfsprojekt „The Way Home“ in Odessa/Ukraine, das sich u.a. der dort lebenden Straßenkinder angenommen hat.

Viele von ihnen sind HIV Positiv oder an AIDS erkrankt, und sind völlig auf sich alleine gestellt. Soziale Einrichtungen, wie z.B. eine Aidshilfe oder Beratungsstellen sind Mangelware und werden aus privaten Initiativen geführt und finanziert. Es fehlt an den dringend benötigten Medikament. Dieser Mangel wirkt sich natürlich auch sehr stark auf die Sterbequote der Erkrankten aus.

Die Infiziertenrate der Bevölkerung in Deutschland liegt bei ca. 1%. In Odessa wird sie auf mehr als 10% geschätzt. Bei einer Einwohnerzahl von 1 Million sind das erschreckende Zahlen, und das in einer einzigen Stadt. Die Drogenabhängigkeit ist bei Kindern und Erwachsenen massiv hoch und das Problem wird von der Regierung tot geschwiegen. Die Ukraine ist zudem ein sehr armes Land. Ein Arzt verdient umgerechnet 200 Euro, ein Rentner bekommt gerade mal durchschnittlich 50-80 Euro im Moment, die.

Die Lebensunterhaltungskosten gleichen aber denen in Deutschland. Sie sind zum Teil sogar höher. Zudem gibt in der Ukraine keine finanzielle staatliche Hilfe.

Kai Bagus ist schon immer offen mit seiner HIV Erkrankung umgegangen. Er hat nie ein großes Geheimnis daraus gemacht. „Letztendlich muss man selbst Gesicht zeigen, um Probleme anzustoßen, und nur dann kann man eine Veränderung in der Gesellschaft bewirken. Viele Dinge sind besser geworden.

AIDS geht bei uns immer mehr in die Richtung einer chronischen Erkrankung. Das Thema ist aber noch lange nicht vom Tisch. Immer noch gibt es Diskriminierung und einen Mangel an Aufklärung, und immer noch gibt es in Deutschland viele Ängste der Betroffenen und deren Angehörigen, sich dem Thema offen stellen zu können.

In der Ukraine sieht es weitaus schlimmer aus. Dort steht man erst am Anfang. Vergleichbar mit den 80er Jahren in Deutschland, wenn überhaupt“, so Kai Bagus.
Finanziert hat sich seine Benefiz-Tour quer durch Europa und Russland u.a. über Spenden, die er durch das Schreiben von über 4000 Mails gesammelt hatte, es gab damals auch schon die sogenannten Kilometer-Patenschaften, die symbolisch für 1 Euro pro Kilometer übernommen werden konnten, und direkt das Projekt in Odessa unterstützt haben.

Knapp 3000,- Euro kamen dadurch dem Projekt in Odessa zugute. Seine Reise führte ihn durch Österreich, Ungarn, Rumänien Moldawien und die Ukraine nach Odessa, mit einem Abstecher in die Mongolei und schließlich nach fünf Monaten nach Wladiwostok.

Was er auf seiner Reise erlebt hat, ist nicht in ein, zwei Sätzen erzählt. Aus diesem Grund wird er am 17.04. 2014 einen Diavortrag um im KG1 halten.

Er wird über sein großes Abenteuer berichten, das ihn von Freiburg aus, entlang der Donau bis ans schwarze Meer, über Odessa und den Ural führte, wo er das erste Mal in seinem Leben einen Fuß auf einen anderen Kontinent gesetzt hat.

Er wird darüber berichten wie er vorbei an Cheljabinsk, Novosibirsk und Irkutsk immer tiefer in das unvorstellbar große Russland drang, bis er schließlich Wladiwostok erreichte. Kai möchte sein Publikum an diesem Abend mit spannenden Geschichten über Länder, Menschen, Pannen und vielem mehr unterhalten. Mit vielen schönen, witzigen, aber auch mit dem ein oder anderen nachdenklich machenden Bild, möchte er einen Einblick darüber geben, was er auf seiner Reise erlebt hat.

Ende April 2014wird Kai Bagus wiederum den Motor seiner Krause-DUO starten, um seine Reise um die Welt fortzusetzen. Von Moskau aus geht es dann per Zug nach Wladiwostok. Von dort aus reist er mit dem Schiff über den Pazifik , um in Vancouver seine Amerika-Tour über Kanada, Alaska und den U.S.A. zu starten.

Er wird verschiedene Initiativen besuchen und sich mit vielen Positiv-Gruppen austauschen. Sein Ziel ist es, mit seiner Aktion symbolisch die rote Schleife um die Welt zu legen. Es ist das Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken.

Für das Gelingen seiner Tour wünscht er sich natürlich noch viele Spenden, die seine Aktion irgendwie unterstützen. Sei es in Form von Campingutensilien, Ersatzteile für seine Krause- DUO oder sonst irgendetwas.

Auch über selbstgestrickte Socken würde er sich freuen. Und auch in diesem Jahr kann jeder wieder Kilometer-Pate werden, und zwar unter folgendem Spendenkonto

Caritas international
Spendenkonto 202
BLZ 660 205 00
Stichwort: Benefiztour für The Way Home

Die Gelder gehen direkt an das Projekt:
The Way Home in Odessa.

Ekki

April 2014

Dieser Artikel von Ekki
steht in der Aprilausgabe 2014