WAGENPLÄTZE STATT POLIZEIEINSÄTZE

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Es ist doch immer dasselbe Spiel: Kaum gibt es in Freiburg Bedarf an einem neuen Wagenplatz, sträubt sich die Stadt Freiburg. So geht es nun seit Jahren.

Ob Rieselfeld, Schattenparker oder jetzt die Wagenburg Sand im Getriebe, die Stadt Freiburg beruft sich auf einen veralteten Gemeinderatsbeschluss, wonach keine neue Wagenburg zugelassen w erden soll und die Verwaltung setzt dies gnadenlos mit allen Mitteln durch.

Ob es einen realen Bedarf für neue Wagenplätze gibt, spielt dabei keine Rolle. Mit allen Mitteln wird gegen die Wagenbewohner vorgegangen.Falls nichts anderes hilft, werden die Wagen beschlagnahmt und die Wagenbewohner verlieren ihr Zuhause.

Und zur Krönung müssen die Wagenleute dann eine hohe Geldsumme aufbringen, um ihr Eigentum wieder zu bekommen. Und trotz aller Schikanen gegen die Wagenbewohner kommt e s am Ende der Geschichte doch zu einem neuen Wagenplatz.

Es ist unverständlich, warum die Stadt Freiburg immer so hart gegen die Wagenbewohner vorgeht, anstatt endlich aus den Ereignissen um Wagenplätze aus der Vergangenheit zu lernen und einfach mal eine anderen Weg zu gehen.

Aber lieber wird der Bedarf nach dieser alternativen Wohnform nicht akzeptiert und die folgenden Proteste durch teure Polizeieinsätze begleitet und unterbunden. Am 14. April 2014 wurden im Auftrag der Stadt Freiburg 11 Wagen der Gruppe „Sand im Getriebe“ von einem großen Polizeiaufgebot beschlagnahmt.

Dadurch wurden 11 Wagenbewohner obdachlos. Die Wagengruppe „Sand im Getriebe“ sucht zu diesem Zeitpunkt nun seit 2 ½ Jahren nach einem Platz für ihre Wagen.
Die Wagengruppe hat mehrfach versucht, mit der Stadt und den Behörden ins Gespräch zu kommen. Diese versperren sich jedoch einem Dialog mit der Wagengruppe und sorgen dafür, dass potenzielle Stellflächen verbarrikadiert und unbefahrbar gemacht werden.

Die Stadt hat keinerlei Interesse, die Situation zu entschärfen. Selbst Appelle des Gemeinderats, die Fahrzeuge herauszugeben, lassen die Verantwortlichen kalt. Am 25.09. kündigte die Stadt die Vernichtung der „Wohnwagen“ von SIG an.

Diese Ankündigung löste weitere Aktionen und Proteste in Freiburg und im gesamten Bundesgebiet aus. Diese bundesweiten Proteste erhöhten den Druck auf Oberbürgermeister Salomon und seine Verwaltung so stark, dass diese sich gezwungen sahen, die Verschrottung auszusetzen. Nachdem die Wagenbewohner private Stellplätze vorweisen konnten, konnten sie ihre Wagen gegen die Zahlung von 31.000 Euro auslösen. Am 21.10.2014 konnte die Gruppe ihre Wagen abholen.

Da das Wohnen in den Wagen auf den privaten Stellplätzen unmöglich ist, besteht weiterhin die Notwendigkeit eines neuen Wagenplatzes. Die Gruppe ist trotz der Rückgabe ihrer Wagen weiterhin obdachlos. Die Stadtverwaltung hat der Gruppe, wohl auch um zum Schein ihren guten Willen zu demonstrieren, ein 400 qm großes Grundstück angeboten.

 Allerdings ist die Fläche viel zu klein für die Gruppe „Sand im Getriebe“, denn diese besteht aus 14 Erwachsenen und 5 Kindern, die 20 Wagen bewohnen.

Die Stadtverwaltung erklärte am 5. Mai 2014, dass auf der vorgeschlagenen Fläche Platz für 4-5 Wagen ist und ignoriert dabei die Tatsache, dass die Fläche viel zu klein für die 20 Wagen der Gruppe SIG ist. Wie soll es nun weitergehen? Noch immer hält die Stadt es nicht für nötig, Gespräche mit der Wagengruppe zu führen.

Oberbürgermeister Salomon verhinderte höchstpersönlich, eine von der Gruppe vorgeschlagene Zwischenlösung. „Salomon hatte vergangenen Freitag an Rektor Druwe geschrieben und ihm nahe gelegt, die Wagenburg nicht auf dem PH-Parkplatz zu dulden.“ (Zitat: Badische Zeitung).

Salomon spielte dabei die „Flüchtlingskarte“, indem er als Hauptgrund für die Ablehnung einer Zwischenutzung des PH-Parkplatzes durch die Gruppe SIG die Unterbringung von Flüchtlingen in Littenweiler anführte.

Auch Sand im Getriebe ist der Auffassung, dass es höchste Priorität hat, bedürfnisgerechte Unterkünfte für Menschen auf der Flucht zur Verfügung zu stellen. Allerdings würde die Zwischennutzung des PH-Parkplatzes durch SIG die Pläne für die Unterbringung von Flüchtlingen nicht stören.

Denn: - Es handelt sich nicht um dasselbe Gelände. Die Flüchtlingsunterkunft soll ca. 300 m entfernt entstehen. - Laut Badische Zeitung soll die Flüchtlingsunterkunft erst zum Frühjahr 2015 fertig gestellt werden.

Die Zwischennutzung durch SIG würde aber nur bis zum 31.03.2015 laufen. Es handelt sich also weder um ein und dasselbe Gelände, noch würde es zeitliche Überschneidungen geben. Der Bürgerverein Littenweiler unterstützt sowohl die Unterbringung von Flüchtlingen und ist auch der Wagengruppe Sand im Getriebe gegenüber aufgeschlossen gesinnt. Also, der notwendige Rückhalt in der Bevölkerung für eine Zwischennutzung des PH-Parkplatzes wäre ebenfalls gegeben.

Wir FREIeBÜRGER finden es unerträglich, dass die Stadt Freiburg Menschen einfach so ihre Wohnwagen wegnehmen kann und sie damit zu Obdachlosen macht. In einer Stadt, in der es für viele Bürger sehr schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden und ca. 850 Menschen auf der Straße leben, sollte man auch alternative Formen des Wohnens tolerieren und unterstützen.

Anstatt teure Polizeieinsätze gegen die Wagenbewohner zu finanzieren, sollte man doch diese Steuergelder nehmen und einen weiteren Platz für Wagenbewohner einrichten. Damit hätten diese finanziellen Mittel einen langfristigen Nutzen und einige Mitbürger ein neues Zuhause.

Micky

Novemberausgabe 2014

Dieser Artikel von Micky
steht in der Novemberausgabe 2014