LAGE IM PFLEGEBEREICH DRAMATISCH

Die noch relativ junge Bewegung »PFLEGE AM BODEN« veranstaltete am 8. Februar mit über 3500 Aktivisten in 80 Städten Deutschlands den bundesweit 5. Smartmob

Auch das Freiburger Schmuddelwetter an diesem Samstag konnte die rund hundert TeilnehmerInnen nicht davon abhalten, sich gemeinsam an dieser Form des Protestes in der KaJo zum vierten Mal in Freiburg zu beteiligen, um auf die prekäre Situation der Pflege in Deutschland aufmerksam zu machen.

Ist die Pflege am Boden? Die Antwort kann leider nur heißen:
Ja!

Es gibt immer mehr pflegebedürftige Menschen, aber auf der anderen Seite immer weniger Pflegekräfte. An qualifiziertem Fachpersonal mangelt es schon lange. Seit der Einführung der Fallpauschalen (DRG) 2003 werden stationäre Behandlungsfälle aufgrund verschiedener Kriterien (Haupt- und Nebendiagnose, Prozeduren, Patientenalter, etc.) durch eine bundesweit einheitliche Software in verschiedene Gruppen (DRGs) zugeordnet.

Leider weitgehend unabhängig von der Verweildauer des Patienten. Die Leistung der Pflege wird nur mit einem verschwindend geringen Anteil berücksichtigt, was natürlich zur Folge hat, dass die Krankenhäuser und Pflegeheime finanziell miserabel dastehen. Der menschliche Aspekt geht in diesem Beruf immer mehr verloren, was besonders die Patienten zu spüren bekommen.

Die Gesundheits- und KrankenpflegerInnen haben so gut wie keine Zeit mehr, sich mit den Patienten zu unterhalten. Die psychische Verfassung eines Patienten spielt eine wichtige Rolle im Heilungsprozess. Der Patient sollte nicht das Gefühl haben, nur eine Nummer zu sein, und dass er den Pflegekräften zur Last fällt. Natürlich steigt auch die Unzufriedenheit bei den Pflegekräften an, wenn sie nicht alles Nötige zur Gesundung des Patienten beitragen können.

Ein kleiner Plausch mit dem Patienten ist aber leider so gut wie nicht mehr drin. Wenn durch extreme Unterbesetzung und genaue Zeitvorgaben der Stationen noch krankheitsbedingte Ausfälle dazu kommen, dann heißt es quasi nur noch: Satt&Sauber – das war´s! Permanenter Zeitdruck, emotionale Erschöpfung, frustrierende Erlebnisse –Burnout ist vorprogrammiert.

Durch die seit Jahren chronisch unterbezahlten Fachkräfte im Pflegebereich wird der Beruf für junge Menschen natürlich auch immer uninteressanter. Vor gar nicht allzu langer Zeit stellte sich unsere Bundeskanzlerin hin und behauptete doch allen Ernstes, dass Erwerbslose den Pflegekraftmangel und die akut drohende Pflegekrise, sozusagen als „stille Reserve“, auffangen könnten.

Da setzt die Politik eindeutig die falschen Signale. Dieser Mangel kann und darf auf Dauer nicht mit Hilfskräften, schon gar nicht aus dem Lohndumpingsektor, gefüllt werden.

Ein angemessener Mindestlohn wäre da die bessere Lösung, und vor allem auch ein Anfang, den ArbeitnehmerInnen dieser verantwortungsvollen, umfangreichen und psychisch wie physisch harten Arbeit, die fehlende Anerkennung zurückzugeben und vor allem auch, um den Beruf für junge Menschen wieder attraktiver zu machen.

Es darf eines nicht vergessen werden, dass sich die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren stetig erhöht haben. Die täglichen Herausforderungen dürfen durch Arbeitskräftemangel, zu niedriger Bezahlung und einer geringen Wertschätzung nicht erschwert werden.

Die Arbeit am Menschen wird zudem durch die doppelt und dreifach verlangten Dokumentationen des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) unnötig erschwert. Die Politik muss jetzt handeln.

Es wäre verantwortungslos, wenn sie das nicht täte.

Auf Basis der Bevölkerungsvorausberechnung steigt der Pflegebedarf bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent. Somit werden 500.000 Vollzeitkräfte fehlen. Eine Reformierung der Pflegepolitik ist daher unausweichlich.

Ekki

März 2014

Dieser Artikel von Ekki
steht in der Märzausgabe 2014