DIE OASE
IN DER HASLACHER STR. 11

wurde unter städtischer Leitung und in Kooperation mit dem Jobcenter Freiburg als Zentrum für wohnungslose Menschen errichtet.

Das Gebäude in der Haslacher Straße wurde 2005 erbaut und im Januar 2006 als Notübernachtungsstelle der Stadt Freiburg eröffnet.

Ende 2011 erfolgte dann ein 8-monatiger Umbau im Haus, für den die Stadt Freiburg 375.000 Euro investierte.

Seit Mai dieses Jahres beherbergt die Einrichtung neben der Notübernachtung auch die Zentrale Fachberatung für Wohnungslose, sowie eine Außenstelle des Jobcenters.

In der OASE gibt es 47 Übernachtungsplätze in Einzel- und Zweibettzimmern, davon sind 8 Plätze für Frauen in einem geschützten Bereich reserviert.

Außerdem besteht für 6 Personen die Möglichkeit mit ihrem Hund zu übernachten.

Auch an Behinderten- bzw. Krankenzimmer wurde gedacht und es existiert ein barrierefreier Zugang zu allen Bereichen.

In jeder Etage gibt es einen Aufenthaltsraum mit Fernseher, Kühlschrank und Kochgelegenheit.

Des Weiteren gibt es Waschmaschinen im Haus sowie Schließfächer für Wertsachen.

Für Besucher der Einrichtung gibt es im Hof Hundeboxen, in denen sie ihre Vierbeiner für gewisse Zeit einquartieren können.

Die Zentrale Fachberatung bietet persönliche Beratung und Information bei allen Fragen, die im Zusammenhang der Wohnungslosigkeit auftreten.

Das bedeutet umfassende Beratung, Krisenintervention, materielle Erstversorgung, Einrichtung einer Postadresse etc.

Zudem besteht die Möglichkeit der Weitervermittlung in derzeit 98 Wohnheimplätze in Freiburg.


Juli 2012


Dieser Artikel steht in der Juliausgabe 2012

Text: Carsten Fotos: Carina




EINE OASE IN FREIBURG



Oase Die OASE bietet alles unter einem Dach

Es ist schon eine Weile her, dass wir über das Aufnahmehaus für wohnungslose Menschen in der Haslacher Straße berichteten, welches im Januar 2006 feierlich eröffnet wurde.

Gab es damals noch überschwängliches Lob für die neue Einrichtung, wandelte sich das doch schnell in Kritik um, so dass die Einrichtung nach einiger Zeit von Wohnungslosen kaum noch genutzt wurde.

Vor allem der Umgang mit den Menschen wurde bemängelt, aber auch die „Verwahrung“ von wohnungslosen Menschen, die ja im Endeffekt
nur zum Schlafen dort hinkamen und morgens ihre Zimmer wieder verlassen mussten.

Auch die Unterbringung in Vier-Personen-Zimmern, sowie der Umgang
mit Alkohol- und Drogensüchtigen gaben Anlass zur Kritik.

Doch nun wird alles anders:

Kommt man jetzt in die Haslacher Straße 11, sieht man schon rein äußerlich die Veränderung.

Aufenthaltsbereich in der Fachberatung Der Aufenthaltsbereich in der Fachberatung


OASE
steht in großen Lettern an dem Haus, welches ehemals die Notübernachtung für Wohnungslose der Stadt Freiburg war.

Eigentlich bedeutet der Name:

Obdach,
Anlaufstelle,
Soziale Dienste,
Erstversorgung

Doch er assoziiert vielleicht auch irgendetwas anderes

Wir haben zwar keine Ahnung, was Otto Normalbürger so alles mit einer Oase in Verbindung bringt, aber eine Anlaufstelle für Wohnungslose sicher nicht auf Anhieb.

Das sei auch so beabsichtigt, sagt Werner Hein, Leiter des Amtes für Wohnraumversorgung, dem Träger der Einrichtung. Die Kritik ist auch den zuständigen Leuten der Stadt zu Ohren gekommen, war zum Teil auch berechtigt und wurde konstruktiv aufgenommen, sagt Hein.

Deshalb wurde auch der neue Name ausgewählt, der sollte Ruhe vermitteln, das angekratzte Image der Einrichtung aufwerten und ganz ehrlich, irgendwie klingt Oase ja auch positiver als Notübernachtungsstelle!

Küche Geräumige Küchen zum Kochen und Essen

Doch natürlich ist das Namensschild nicht die einzige Veränderung in der Haslacher Straße 11.

Seit Mai können wohnungslose Menschen hier nicht mehr einfach nur übernachten, sondern sie erfahren auch noch umfangreiche Betreuung und Beratung.

Die Zentrale Fachberatungsstelle für Wohnungslose, die bislang in der Schwarzwaldstraße beheimatet war, bezog zum 1. Mai ihre Büroräume hier im Haus, so dass den Betroffenen direkt vor Ort weitergeholfen werden kann.

Es sei wichtig, dass Wohnungslose, die in Freiburg ankommen, sofort Hilfe erfahren und Ansprechpartner vor Ort vorfinden und nicht erst einen ewigen Ämterweg durch Freiburg antreten müssen, sagt Werner Hein.

So gibt es im Haus vier Sozialarbeiter, die mit einem Stellenschlüssel von 350 %, die ankommenden Obdachlosen beraten und betreuen.

 

Hr.Hein Hr. Hein bei der Eröffnungsrede

Zudem eine Mitarbeiterin vom Jobcenter, die den betroffenen Menschen bei der Arbeitsvermittlung bzw. -suche behilflich ist.
Auch die Auszahlstelle für das ALG II bzw. die Tagessätze befindet sich in der Einrichtung, so dass innerhalb von kürzester Zeit ein Hilfsangebot für den jeweils Betroffenen zustande kommt.

In der Regel wird bei „Neuankömmlingen“ als erstes die Zuständigkeit des Amtes überprüft, das heißt, ob nicht die Gemeinde bzw. Stadt in der der Betroffene zuletzt gemeldet war für seinen „Unterhalt“ zuständig ist.

Denn laut Amtsleiter Hein, gab es mehrmals Vorfälle, in denen zuständige Gemeinden, Wohnungslose wider besserem Wissens in die nächste Stadt, also nach Freiburg schickten um dort Hilfe zu beantragen.

Dadurch zahlt die Stadt Freiburg pro Jahr etwa 750.000 Euro, für die die Stadtkasse eigentlich gar nicht zuständig gewesen wäre.

In solchen Fällen werden die Menschen künftig dahingehend beraten, wie sie in ihrem Heimatort zu ihren Rechten kommen können und was ihnen laut Sozialhilfegesetz zustehen würde bzw. welche Möglichkeiten sie haben.

Sollte sich bei dieser Überprüfung herausstellen, dass die Stadt Freiburg für die betroffene Person zuständig ist, kann diese dann direkt vor Ort
bei einem der Sozialarbeiter einen Antrag auf Unterstützung stellen und nur ein paar Zimmer weiter schon das Jobcenter aufsuchen.

Die Angebote der Fachberatungsstelle seien vielfältig, wie Werner Hein ausführt.

Von der Unterstützung bei der Sicherstellung des Lebensunterhaltes oder bei Behördenangelegenheiten, der Wohnungssuche oder der Vermittlung in ein Wohnheim kann der betroffene Wohnungslose hier alles an Hilfsangeboten wahrnehmen.

Eines der Zimmer Eines der Zimmer (insgesamt 47 Plätze)

Im Haus selbst kann man den Wandel bereits spüren:
Die Vierbettzimmer sind fast alle verschwunden, es gibt nur noch Einzel- und Zweibettzimmer, das Mobiliar in den Zimmern wurde erneuert, ein Fahrstuhl wurde eingebaut und das Haus hat einen komplett neuen Innenanstrich bekommen

Der Leiter der OASE, Herr Heidemann, erklärt, dass man zwar weiterhin bestrebt sei, Wohnungslose hier nicht monate- oder jahrelang zu beherbergen, sondern sie langfristig mit Wohnraum und Arbeit zu versorgen, aber für die Zeit ihres Aufenthaltes in dieser Einrichtung sollen sie sich wohl fühlen!

Die Betroffenen nehmen diese neue „Dienstleistungszentrale“ scheinbar gern an. Immerhin liegt die Nutzungsquote der Übernachtungsmöglichkeiten schon bei mehr als 75 % und die Fachberatung für Wohnungslose rechnet durchschnittlich mit 600 Klienten jährlich, die beraten bzw. betreut werden müssen.

Alles in allem war ich positiv überrascht von den Neuerungen, die dieses Dienstleistungszentrum zu bieten hat und auch die Mitarbeiter sind der Meinung, die OASE ist ein Schritt in Richtung Verbesserung. Erstrebenswert wäre natürlich eine Zukunft, in der solche Einrichtungen nicht mehr nötig sind, aber das wird wohl Utopie bleiben.

Auf jeden Fall ist die OASE – im Hinblick auf frühere Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Freiburg – ein großer Schritt nach vorn!

Text: Carsten Fotos: Carina