Unser Team






Unser Team: Micky



Micky beim arbeiten.


Hi, mein Name ist Micky, ich bin vor über 36 Jahren im Schwäbischen in der Nähe von Stuttgart zur Welt gekommen und bin mit 10 Jahren mit meinen Eltern in die Nähe von Freiburg gezogen. Der Freiburger Raum ist auch bis auf ein paar mehr oder weniger kurze Abstecher in andere Städte meine Heimat geblieben.

Seit über 20 Jahren bin ich in der hiesigen Punkszene unterwegs, und da das Leben der Punks auch teilweise auf öffentlichen Plätzen stattfindet, kannte ich vom Sehen und auch vom gelegentlichen gemeinsamen Biertrinken, den ein oder anderen späteren Verkäufer oder Mitarbeiter des FREIeBÜRGER.

Als der erste FREIeBÜRGER 1998 erschien, arbeitete ich schon seit einigen Jahren bei einem Freiburger Verlag im Layout und der Grafik; fand es damals aber schon gut, dass es eine Zeitung gibt, in der die „sozial Schwachen“ über ihre Situation, Erfahrungen und Probleme berichten und sich mit dem Verkauf etwas zum Lebensunterhalt dazuverdienen können.

Und ehrlich gesagt, ich hätte mir zu dieser Zeit nicht träumen lassen, dass ich auch einmal diese Zeitung verkaufen bzw. mal für sie arbeiten würde.

Aber die Zeiten wurden auch für mich schlechter, nach gut 13 Jahren im Berufsleben war auch ich arbeitslos.

Die anfallende Arbeit im Verlag wurde immer weniger, die Anzahl der Zeitungswerbung sank stetig, schließlich kämpfte der kleine Verlag ums Überleben und konnte uns nicht mehr bezahlen. Bald sah die Verlagsführung keinen anderen Ausweg mehr, als mir und einigen Kollegen zu kündigen. Erstmal empfand ich es gar nicht so schlimm, ohne Arbeit zu sein. Ich dachte, hey, ein, zwei Monate Pause, und dann gibt es schon wieder einen Job.

Aber jeder weiß, wie die wirtschaftliche Lage sich in den letzten Jahren entwickelt hat, natürlich fand ich keine neue Arbeit. Bei einem kleinen Umtrunk im Anschluss an eine Beerdigung eines gemeinsamen Kollegen 2003 sprachen mich die Leute des FREIeBÜRGER an. Ihr bisheriger Zeitungslayouter hatte aufgehört, und sie brauchten dringend jemanden, der ihnen das Heft layoutet und für die Druckerei fertig macht.

Da dies jahrelang bei meinem Job mein Aufgabengebiet war und ich sowieso nicht viel anderes zu tun hatte, sagte ich schnell zu.

Ich dachte ja eigentlich, ich kann die Daten und das vorgegebene Layout meines Vorgängers benutzen, jedoch stellte ich im Büro des FREIeBÜRGER beim Durchschauen der CDs schnell fest, dass da viele der mir vorliegenden Daten unvollständig oder ganz einfach unbrauchbar waren.

Nach längerem Blick auf das vorliegende Material war dann klar, dass es einfacher ist, schnell ein neues Grundlayout zu machen, den Schriftzug neu zu erstellen. Eine Zeit lang war ich nun für das Layout des FREIeBÜRGER zuständig, jedoch kümmerte ich mich auch darum, dass die anderen, besonders Carina, fit genug im Layout-Programm Pagemaker und bei der Bildbearbeitung wurden.

Im Februar 2004 bekam ich vom Arbeitsamt endlich einen Weiterbildungskurs bezahlt, hier konnte ich meine Kenntnisse in Spezial-Programmen wie Photoshop, QuarkXPress, Illustrator auffrischen und vertiefen, lernte die Welt des Webdesigns kennen, beschäftigte mich mit Html, Flash und Dreamweaver.

Die Kursteilnahme hatte mir insgesamt viel Spaß gemacht, habe wirklich einiges an neuem Wissen mitgenommen, dennoch sah die Situation nach der Qualifizierung und einem guten Abschluss für mich nicht anders aus wie vorher. Ich war immer noch arbeitslos.

Das Geld wurde langsam echt knapp, meine Miete wurde nicht ganz vom Amt übernommen, so blieb mir nur sehr wenig Geld zum Leben. Schließlich nutzte auch ich die Möglichkeit, mir mit Zeitungsverkauf etwas dazuzuverdienen. Anders bin ich einfach nicht mehr über die Runden gekommen.

Heute habe ich einen dieser „legendären“ 2-Euro-Jobs und bin sehr froh, dass ich ihn beim FREIEBÜRGER ausüben darf.

Die Arbeit bei der Straßenzeitung nimmt ständig zu, und allein mit ehrenamtlicher Arbeit ist das schon eine ganze Weile nicht mehr zu schaffen.

Bis letztes Jahr gab es ja von der Stadt KOLA-Stellen beim FREIeBÜRGER, aber die wurden bei der Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe gestrichen.

Eigentlich dachten wir ja, dass wir dafür einige 2-Euro-Jobs vom Arbeitsamt genehmigt bekommen, aber erstmal wurde nichts draus, erst nach langem Kampf und vielen Diskussionen konnte ich mit einem guten halben Jahr Verzögerung vor 2 Monaten einen geringfügig bezahlten Job beim FREIeBÜRGER antreten.

Mein Aufgabenbereich liegt jetzt hauptsächlich in der Akquisition und Betreuung von unseren Werbekunden, wenn gewünscht auch in der Gestaltung der Anzeigen. Aber natürlich mache ich wie jeder andere in der Redaktion auch manchmal einfach Aufgaben, die gerade anfallen.

Ich bin insgesamt sehr zufrieden hier, ich arbeite mit netten Menschen zusammen und an einem Projekt, das ärmeren Menschen hilft und ein Sprachrohr für die „sozial Schwachen“ dieser Stadt ist.

Micky