Unser Team






Unser Team: Micha(ela)



Micha Hier die "Standhafte" auf dem Bild


Mein Name ist Micha und ich komme ursprünglich aus der Gegend von Frankfurt. Da ich schon ziemlich früh Hummeln im Hintern hatte, konnte ich als Kind kaum erwarten, bis ich alt genug dazu war, allein "rumreisen" zu können.

Als es dann endlich soweit war, bin ich erst mal für ein paar Jahre durch verschiedene Länder getrampt und hab mich dabei mit Gelegenheitsjobs über Wassergehalten, bis ich im Oktober‘80, direkt aus Toulouse, nach Freiburg kam.Habe dann die ersten 2 Jahre in einem bekannten Freiburger Hotel als Zimmermädchen für ‘nen Hungerlohn geschuftet, bis ich mit dem dortigen Chef aneinander gerasselt bin. War sowieso nur eine Frage der Zeit, denn mit den Chefs dieser Welt hab ich‘s nicht sonderlich.

1983 habe ich dann durch Bekannte Freiburgs erste Wärmestube,die Wartburg, kennen gelernt und dadurch auch das erste Mal Menschen, die auf der Straße gelebt haben.

In der Wartburg traf ich im gleichen Jahr auch den Uli, unseren heutigen Chefredaktör,  der gerade aus Krefeld kam. Wir wurden ziemlich schnell gute Freunde und mit ihm bin ich dann im Frühjahr‘84 das erste Mal richtig „auf Straße“ gegangen. Die ersten Jahre nach Frankreich, später auch nach Italien.

1989 lernte ich dann die Liebe meines Lebens kennen, wurde sesshaft und führte 8 Jahre lang so was wie ein „normales“ Leben. Mitte Mai`98 war ich dann wieder solo, 2 Wochen vor dem Erscheinen derersten Ausgabe des FREIeBÜRGERS

.Als mir Uwe, ein alter Freund und Mitbegründer unserer Straßenzeitung,das erste Mal von diesem Projekt erzählte, war ich sofor t begeistert. Damals herrschte bei uns ja noch das „Bettelverbot“, wodurch den Menschen von der Straße das Leben erheblich erschwert wurde. Jeder von ihnen befand sich oftmals in einer Situation, in der er hilflos den Ordnungshütern ausgeliefert war.

Wenn man Glück hatte, wurde man nur verscheucht;  wenn man etwas weniger Glück hatte, wurde man mitgenommen aufs nächste Polizeirevier, auf welchem einem dann sämtliche erbettelte Gelder abgenommen wurden und wenn man ganz wenig Glück hatte, wurde einem nicht nur das Geld abgenommen: Nein, man bekam auch noch einen Bußgeldbescheid wegen „verbotener Bettelei“ gratis dazu. Aufgrund dieser stetigen Drangsalierung und Hilflosigkeit heraus ist dann die Idee eine Straßenzeitung zu machen entstanden.

Ich hab immer noch einen Heidenrespekt davor, wie die Leute es geschafft haben, ohne jegliche Erfahrung, im völligen Chaos und mit wenig zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln, die ersten Ausgaben des FREIeBÜRGER hinzukriegen. Und das auch noch regelmäßig!

Mit dem Entstehen und Verkauf dieser Straßenzeitung hatten die Menschen von der Straße, endlich, nicht nur Ruhe vor den Ordnungshütern, sie bekamen mit dieser Zeitung auch erstmals ein eigenes Sprachrohr.

Bei mir selbst verging allerdings noch ein weiterer Monat, bevor ich mich, nach 8 Jahren, wieder traute, mich auf den öffentlichen „Präsentierteller“ zu begeben. Somit habe ich erst bei der 2.Ausgabe des FREIeBÜRGER mit dem Verkauf angefangen, ab da aber regelmäßig.

Ungefähr ein Jahr später bekam ich dann eine Kolamaßnahme 500 (so was wie ´ne ABM-Stelle für Arme) beim FREIeBÜRGER bewilligt und seitdem bin ich eigentlich mit dabei.

Nach der ersten schweren Krise im Frühjahr‘2000, als der erste Vorstand des FREIeBÜRGER abgewählt wurde und sämtliche Aufgaben neu verteilt werden mussten, habe ich einen Teil des Verwaltungs-und Buchhaltungsbereichs übernommen.

Des Weiteren bin ich dafür verantwortlich, dass kleine krabbelnde Tierchen, die in menschlichen Behausungen nichts zu suchen haben, unseren Büroräumen fern bleiben und dass sich unangenehme Gerüche, die unsere Besucher belästigen könnten, erst gar nicht verbreiten.

Ja, und seit ca. 2 Jahren schreib ich ab und zu auch mal was.

Mir persönlich ist der FREIeBÜRGER sehr wichtig, vor allem wenn ich sehe, wie viel Menschen sich, unabhängig von irgendwelchen Ämtern, ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf unserer Zeitung sichern können. Und genauso wichtig ist, dass viele so genannte „Normalbürger“ durch das regelmäßige Lesen unserer Zeitung damit angefangen haben, über die Situation von Menschen, die auf der Straße leben, nachzudenken.

Für die Zukunft des FREIeBÜRGER wünsche ich mir, dass natürlich immer mehr Leute unsere Zeitung lesen, aber noch mehr wünsche ich mir, dass wir unsere Träume nicht verlieren und dass wir niemals die Entstehungsgeschichte unserer Zeitung vergessen. Dass wir immer eine Zeitung bleiben, die Sprachrohr ist, für die Obdachlosen und andere soziale Randgruppen unserer Gesellschaft. Und dass man endlich damit aufhören möge, uns als„Obdachlosenzeitung“ zu bezeichnen:

Wir sind eine „Straßenzeitung“, die jeder Mensch, der sich in einer finanziell schwachen Situation befindet, verkaufen kann.

Micha

 

(Vorgestellt in der Ausgabe März 2005)