THEATER IM MARIENBAD

Wie in der letzten Ausgabe angekündigt, stellen wir diesmal das Theater im Marienbad, einen der Berndt Koberstein-Preisträger 2013, vor. Dabei muss ich mich gleich als Kulturbanausen outen, denn ganz ehrlich, ich habe anlässlich der Preisverleihung erstmalig von diesem Theater gehört! Das es dort mal ein Schwimmbad gab, war mir im Übrigen auch unbekannt.

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Eingang

Aber vielleicht machte gerade diese ungewöhnliche Kombination aus Kunst und Sport mich so neugierig, dass ich beschloss, an der Vorstellung des Theaters mitzuschreiben.

So machte ich mich, gemeinsam mit Ekki, im Juni auf den Weg ins Marienbad, um unsere Bildungslücke zu schließen, denn er kannte diese Schauspielstätte schließlich auch noch nicht.

Das eher unscheinbare Haus aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts sieht allerdings weder wie ein Schwimmbad aus und noch würde man ohne die Aufschrift an der Hausfront im Inneren ein Theater vermuten.

Doch bereits beim Eintreten ins Foyer erblickt man einen antiken Wasserspeier, welcher dann einen ersten Hinweis auf ein ehemaliges Schwimmbad liefert.

Hier im Flur trafen wir, wie verabredet, eine Mitarbeiterin, die mit uns einen Rundgang durch das Theater machte und einiges darüber zu erzählen wusste.

Im Bad selbst schauten wir erstaunt auf die Bühne, an der gerade mehrere Arbeiter mit dem Aufbau beschäftigt waren.

Hier erhielten wir auch Aufklärung darüber, wie ein Theater in einem Schwimmbad aussieht, denn die Bühne war direkt in die ehemaligen Schwimmbecken hinein gebaut! Man hatte irgendwann einmal eine Zwischendecke in die Becken eingezogen und darauf befindet sich nun der Arbeitsplatz der Schauspieler.

Das Schwimmbad selbst wurde um 1900 erbaut und bietet mit dem im Jugendstil eingerichteten Bad einen herrlichen Rahmen für die aufzuführenden Theaterstücke. Je nach Konzeption des Stückes und dem unterschiedlichen Bühnenaufbau, bietet es bis zu 250 Zuschauern Platz.

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Das "Kesselhaus

Ein Stockwerk tiefer, im "Kesselhaus", von dem aus früher das Schwimmbad beheizt wurde, befindet sich seit circa 10 Jahren eine zweite, kleinere Bühne wo weitere 80 Zuschauern Platz finden. Des Weiteren gibt es kleinere Räume für die Schauspieler und das technische Equipment.

Das Freiburger Kinder- und Jugendtheater wurde bereits 1973 unter Leitung von Dieter Kümmel gegründet. Kümmel, ein leidenschaftlicher Schauspieler und Regisseur, der damals am Wallgrabentheater beschäftigt war, hatte die Idee eines solchen Theaters, weil es in jener Zeit in Freiburg nicht viel an Kultur für Kinder und Jugendliche gab.

In den frühen Jahren hatte das Ensemble lediglich kleine Räumlichkeiten zum Proben zur Verfügung, die Auftrittsorte allerdings waren vielfältig.

Das Kinder- und Jugendtheater spielte damals unter anderem in der alten Universität, in Jugendzentren oder Schulen, aber es gab auch Auftritte im Stadttheater und sogar damals schon im Ausland, wie etwa in Frankreich. 1989 bekamen die Künstler endlich eine eigene Spielstätte, das ehemalige Marienbad, welches das Freiburger Kinder- und Jugendtheater seit dem beheimatet.

Die Idee Dieter Kümmels, Theater für Groß und Klein zu machen, hat das Ensemble seitdem weiter verfolgt und entwickelt und so wendet sich das aus 13 Mitarbeitern - davon 8 Schauspieler - bestehende Ensemble noch immer an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, oftmals sitzen sogar ganze Schulklassen im Publikum. Insgesamt haben die Künstler 18 Stücke im Repertoire, die immer wieder aufgeführt werden und sich im Laufe der Jahre weiterentwickeln. Die Inszenierungen reichen vom intimen Erzähltheater bis zum großen Ensemblestück, sowie Projekten mit Schulklassen.

Denn neben den Aufführungen und der "normalen Theaterarbeit" hat das Theater im Marienbad einen wichtigen Punkt seiner Arbeit auf die Theaterpädagogik gelegt. So bieten die Künstler "Klassen-zimmerstücke" an, das heißt, einer der Schauspieler tritt mit einem Einpersonenstück in Schulklassen auf und die Schüler erhalten danach die Möglichkeit den Inhalt des Stückes gemeinsam mit den Schauspielern und Lehrern im Unterricht zu besprechen.

Doch darauf allein ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht beschränkt: Es gibt eine sehr gute Zusammenarbeit mit Schulen, wie zum Beispiel seit einigen Jahren mit der Albert-Schweizer-Schule, mit denen in längeren Projekten Theaterstücke mit Schulklassen erarbeitet werden. Meistens laufen diese Projekte eine ganze Spielzeit in der die Schüler von den Profi-Schauspielern angeleitet werden, die den Jugendlichen meist sehr viel Spaß bereiten und sie in ihrer Ausdruckskraft und Spielfreude fördern.

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Foyer

Die Kinder und Jugendlichen kommen in dieser Zeit einmal wöchentlich ins Theater, um mit dem Ensemble gemeinsam zu proben, in der Endphase einer Produktion, wenn die Arbeiten intensiver werden, haben dann die Schüler häufig sogar Theater statt Schule und sind mehrere Tage dort mit dem Stück beschäftigt.

Ist das Stück dann nach Monaten einstudiert, gibt es bis zu zwei Aufführungen im Theater, die bei Mitwirkenden und Publikum sehr gut ankommen, vor allem die mitarbeitenden Schüler sind dann sehr stolz auf das Erreichte.

Meistens sind die Theaterbesuche der Schulklassen für die Kinder der erste Zugang zum Theater, doch anfängliche Hemmungen oder Vorurteile der Jugendlichen werden schnell abgebaut, sie merken schnell, dass Künstler auch ganz normale Menschen sind und bei dem einen oder anderen regt sich während so einer Projektarbeit sogar der Wunsch, selbst einmal Schauspieler zu werden.

Allerdings zeigen die Profis ihnen in solchen Fällen dann auch auf, dass der Beruf des Schauspielers kein Zuckerschlecken ist und nicht nur, wie in Filmen, Ruhm und viel Geld bedeutet, sondern dass vor dem Erfolg und der Anerkennung harte Arbeit steht.

Wie gesagt ist die Arbeit mit den Jugendlichen nur ein Teil der Theaterarbeit, im Mittelpunkt steht natürlich weiterhin der normale Spielplan des Theaters, welcher sehr vielseitig ist. So findet man Inszenierungen wie "Don Quijote" oder "Alice im Wunderland hinter den Spiegeln" neben "Kabale und Liebe" oder Bearbeitungen griechischer Mythen wie "Eine Odyssee". Die Inszenierungen sind aber weiterhin so ausgerichtet, dass sie von Jugendlichen wie Erwachsenen gesehen und verstanden werden.

Weiterhin pflegt das Theater im Marienbad einen regen Austausch mit anderen Theatern oder Theatergruppen im In- und Ausland und ist Mitglied in der AG Baden-Württemberg sowie der internationalen Organisation der Kinder- und Jugendtheater und setzt sich für die internationale Vernetzung der Theaterlandschaften ein. Das ermöglicht den Austausch von Gastspielen mit befreundeten Theatern und macht aufmerksam auf die Schätze und Belange anderer Kulturen.

Der Austausch mit anderen Ländern und Kulturen reicht bis hin zu Koproduktionen, wie unlängst mit Theaterschaffenden im Iran. Auch mit Russland, Italien, den Niederlanden, Schweden u. a. unterhält das Theater im Marienbad rege Kontakte. Mit seiner künstlerischen Arbeit hat sich das Ensemble regional, national und international durch Gastspiele und Kooperationen einen sehr guten Ruf erworben.

Das Theater im Marienbad finanziert sich über die Stadt Freiburg, das Land Baden-Württemberg sowie eigene Einnahmen und über den "Verein der Freunde und Förderer des Theater im Marien-bad", der 2006 gegründet wurde.

Uns hat der Besuch im Theater sehr neugierig gemacht und wir werden uns im Juli mal eine kleinere Aufführung ansehen und wohl auch nach der Sommerpause dem Theater im Marienbad noch den einen oder anderen Besuch abstatten.

Carsten & Ekki.