Februar 2012

Dieser Artikel von Uli steht in der Februarausgabe 2012



MUT                                              ZUR LÜCKE


Damit hatte wohl keiner gerechnet, als Mitte 2011 in der Kaiser-Joseph-Strasse 192, das ehemalige Kaufhaus Knopf abgerissen wurde, weil die Sparkasse hier ein neues moderneres Gebäude bauen will. Bedingt durch die entstandene Baulücke bekamen die Freiburger und auch die Touristen plötzlich einen ganz anderen Blick auf die bis dahin versteckt liegende Martinskirche.

Freiburger Lücke

Es dürfte wohl das erste Mal sein, dass eine Baulücke in Freiburg für Diskussionen sorgt, denn viele Bewohner dieser Stadt möchten, dass die Lücke – selbstverständlich ohne den störenden Bauzaun – für immer bestehen bleibt.

Natürlich wird diese, meiner Meinung nach innovative Idee, von den Planern und Befürwortern des geplanten Neubaus als chancenlos angesehen, denn schließlich geht es hier um Millioneninteressen und um die weitere Kommerzialisierung der Innenstadt.

Anfangs wurden die Initiatoren der Bürgerinitiative „Freiburger Lücke“ noch als harmlose Spinner angesehen und belächelt, wenn man sich allerdings einmal die Mühe macht und ihre Argumente für die neue Lücke genauer betrachtet, ist diese Idee gar nicht mehr so abstrus wie man bis dahin vielleicht gedacht hätte. „Die ‚Lücke’ könnte als Bindeglied zwischen Münster- und Rathausplatz fungieren und einen attraktiven Rundweg, besonders unter touristischen Gesichtspunkten, eröffnen.

Man könnte sich eine alternative Bebauung vorstellen, indem das Gebäude nicht in die Breite, sondern schmal in die Tiefe gebaut würde mit einer gläsernen Unterbauung des gesamten Platzes ähnlich der Pyramide des Louvre in Paris“ und „da das frühere Geschäftshaus bis 1938 in jüdischem Besitz war, stellt es auch eine moralische Wiedergutmachung gegenüber den jüdischen Eigentümern dar, an dieser Stelle kein weiteres profanes Geschäftshaus zu errichten, sondern einen Ort des Nachdenkens und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu schaffen“.

Wie man bei diesem Vorschlag sieht, muss die Sparkasse nicht, wie anfangs oft behauptet wurde, an einem anderen Ort bauen, sondern nur umdenken und der Gemeinderat anschließend den neuen Bauplänen zustimmen. Wer die Leserbriefe zu dieser Debatte liest, stellt fest, dass sich mittlerweile viele Freiburger mit dieser alternativen Bebauung anfreunden können. Wer sich einmal die Zeit nimmt und etwas länger vor dieser Lücke verweilt, braucht nicht sehr viel Phantasie um sich vorstellen zu können, wie dieser Platz in Zukunft aussehen könnte, wenn die Sparkasse ihre Baupläne nach der Idee der Bürgerinitiative „Freiburger-Lücke“ umsetzen würde.

Sollte dieser Vorschlag realisiert werden, könnte ein neuer öffentlicher Platz mitten in der Innenstadt entstehen und zum Verweilen einladen. Schön wäre es dann allerdings, wenn es hier keine Außengastronomie gibt, sondern die Händler vom ehemaligen Kartoffelmarkt dort einen neuen, festen Standort bekommen würden.

Mit diesem Mut zur Lücke würde die Freiburger Innenstadt wieder attraktiver und das wäre auch dringend notwendig, wenn man sich einmal anschaut wie in den letzten Jahren öffentlicher Raum (Rathausplatz, Kartoffelmarkt und Dreisamufer) verkommerzialisiert und damit vernichtet worden ist.

In Zukunft werden wir ja diesen Trend mit der demnächst beginnenden „Umgestaltung“ des Rotteckringes und dem Platz der Alten Synagoge tagtäglich bewundern können.

Mehr Infos findet man auf der Seite www.freiburger-luecke.de

Uli