ICH MACH DANN MAL DAS KLO AUF!!!

Klo""
Vertreter der Stadtverwaltung
eröffnen das Klo in der Wagenburg

Stellen Sie sich mal vor, Sie bauen sich ein neues Haus.

Das ist dann ne Menge Arbeit, kostet auch einen Haufen Geld, aber es gibt auch ab und zu mal was zu feiern.


Sobald der Dachstuhl steht, gibt es ein zünftiges Richtfest, das ist alte Tradition, und wenn das Haus dann fertig ist und endlich auch alle Möbel in der Wohnung stehen, dann gibt es meistens noch ne große Einweihungsparty und dazwischen gibt es ja auch noch ab und an mal ne Fete auf dem Bau.

Aber stellen Sie sich mal vor, Sie haben dann endlich Ihr Badezimmer fertig, das bleibt dann aber nach dem Einzug noch ein Weilchen verschlossen, um dann irgendwann mal feierlich und im Beisein von Medienvertretern eröffnet zu werden.

Gibt es nicht? Doch!

So geschehen am 5. November 2013 auf der offiziellen Wagenburg am Eselwinkel in Freiburg. Da sollten den BewohnerInnen des Geländes zwei neue Sanitärcontainer festlich übergeben werden. Als ich am frühen Morgen dieses Tages davon erfuhr, hielt ich das Ganze für einen Scherz, doch nach mehrmaligem Hinterfragen wurde ich vom "Ernst" dieser Veranstaltung überzeugt.

Unser Fotograf Ekki erklärte sich bereit mich zu begleiten, und so machten wir uns in der Mittagszeit auf den Weg zum Eselwinkel. Gleich nach Betreten des Areals standen wir schon vor den beiden Containern, die der Anlass für das stattfindende Spektakel waren und bestaunten diese. In makellosem militärgrün und noch ohne einen Kratzer standen sie vor uns, Ekki konnte nicht an sich halten und machte schon vor der Eröffnung Fotos von ihnen.

Jetzt blieb noch Zeit uns ein wenig umzuschauen und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Ein weißer Partypavillon war aufgebaut, in dem verschiedene Säfte und Butterbrezeln angeboten wurden und überall standen Leute in freudiger Erwartung auf das bedeutende Ereignis herum. Vertreter der Stadtverwaltung und des städtischen Beirates für den Wagenplatz unterhielten sich angeregt mit den Bewohnern. Vertreter von Zeitungen und vom Fernsehen waren auch schon vor Ort und warteten auf den Moment, wo endlich jemand kommt, ein Schleifchen durchschneidet und die beiden Container ihrem Bestimmungszweck übergibt.

Endlich war es soweit, Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach traf ein und eröffnete die Feier. In seiner Ansprache wies er auf das Alter und den maroden Zustand der alten Sanitärcontainer hin, und auch auf den Umstand, dass die Stadt hier in der Verantwortung war und etwas tun musste. Auch Vertreter des Beirates kamen noch zu Wort, wiesen ebenfalls auf die Dringlichkeit der Bereitstellung neuer Klos und Duschen hin, und lobten nochmals das Engagement der Stadt und ihr eigenes.

Auch die Kosten, rund 32.000 Euro, welche die Stadt für die Container ausgegeben hatte, blieben nicht unerwähnt. Danach gab es bei geselligem Beisammensein im eigens dafür errichteten Partyzelt (dürfen die das behalten?) noch Zeit für interessante Gespräche. Soweit so gut, und soviel mal zum chronologischen Ablauf der Einweihungsparty.

Mir drängte sich während der Veranstaltung (und heute immer noch!) die Frage nach dem Warum auf. Muss so etwas sein, ist das wirklich nötig? Eigentlich sind das doch Dinge des alltäglichen Lebens, es sind Grundbedürfnisse eines jeden Menschen, dass er duschen und das WC benutzen kann, und zudem noch eine Möglichkeit hat, um seine Wäsche zu waschen! Warum muss so etwas feierlich eingeweiht werden? Warum muss es überhaupt in der Öffentlichkeit erwähnt werden?

Die Stadt Freiburg ist Vermieter des Wagenplatzes und somit der Eigentümer und muss doch als solcher auch für die Instandhaltung sorgen, das muss jeder Hausbesitzer auch. Die alten Sanitärcontainer waren 27 Jahre alt, hatten Löcher in den Wänden und Risse an der Decke, sodass überall Wasser hineinlaufen konnte, wie übrigens auch Ratten, die sich dort schon heimisch gefühlt haben sollen. Der Strom funktionierte nicht richtig und wer weiß, was es noch für Mängel gab.

Doch das war alles seit einem Jahr oder länger bekannt, warum dauerte es dann trotzdem so lange bis die Wagenbürger wieder aufs Klo oder sich mal unter die Dusche stellen konnten? Dann kommen endlich die neuen, zugegeben gut ausgestatteten Container, und dürfen nicht benutzt werden, weil der Strom noch nicht angeschlossen ist.
Also meiner Meinung nach ist es ja richtig und vor allem wichtig, dass sich Stadt und Beirat endlich dahinter geklemmt haben und den BewohnerInnen endlich die Klos und Duschen hingestellt haben, aber beim Bereitstellen hätte man es belassen können. Solch eine Geschichte wäre eher eine Sache für Pleiten, Pech und Pannen als für die Medien.
Gutes Verrichten...
Carsten




Dezember 2013



Dieser Artikel von Karsten steht in der Dezemberausgabe 2013