die Strassenzeitung aus Freiburg


November 2012


Dieser Artikel von Micky steht in der Novemberausgabe 2012






HILFE FÜR KINDER IN NOT



Das Kinderhilfswerk Terre des hommes (frz. „Erde der Menschlichkeit“) wurde im Jahre 1959 vom Schweizer Journalisten Edmond Kaiser in Lausanne (Schweiz) gegründet. Der Name wurde vom gleichnamigen Buch von Antoine de Saint-Exupéry übernommen, in dessen Texten Werte, wie die Kameradschaft unter Kollegen, Pflichterfüllung und Idealismus sowie die Solidarität und Menschlichkeit hervorgehoben werden. Zur Zeit der Gründung des Kinderhilfswerks stand Frankreich im Krieg mit Algerien, daher wurden im Rahmen des ersten Hilfsprogramms algerische Kinder in Flüchtlingslagern versorgt.

Waage Auf dem Kartoffelmarkt

Unter dem Namen terre des hommes existieren heute mehrere rechtlich unabhängige und selbständige Organisationen, die unter dem Dach der International Federation terre des hommes (IFTDH) zusammenarbeiten.

Dem 1966 gegründeten Dachverband gehören heute 11 Sektionen aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, der Schweiz, Spanien und Syrien an. Die nationalen terre des hommes-Organisationen sind in der internationalen Kinder- und Entwicklungsarbeit tätig und setzen hauptsächlich für die Rechte der Kinder ein.

Zu ihren Aufgabengebieten gehören der Kampf gegen Mangelernährung, Kinderarbeit, Kinderhandel, Kinderprostitution, den Missbrauch als Kindersoldaten, Diskriminierungen sowie Ungerechtigkeiten im Welthandel. Außerdem leisten die einzelnen Sektionen Soforthilfe bei Krisen und Katastrophen. Die deutsche Organisation terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not – wurde am 8. Januar 1967 in Stuttgart auf Initiative des Schriftsetzers Lutz Biesel gegründet. Diese Zeit war stark geprägt durch den Eindruck des Vietnam-Krieges, deshalb war das Ziel der ersten Aktion, verletzte vietnamesische Kinder zu retten und in deutschen Kliniken medizinisch zu versorgen. Terre des hommes ist unabhängig von Staat, Kirche und Parteien.
Die Bundesgeschäftsstelle hat ihren Sitz in Osnabrück. In rund 145 Städten gibt es lokale Arbeitsgruppen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Auch in Freiburg gibt es eine Arbeitsgruppe von terre des hommes. Diese wurde 1973 gegründet und wie bei der Gründung des Gesamtvereins war auch hier der Vietnamkrieg und die Hilfe für verletzte Kinder ausschlaggebend. Der damals für Vietnam zuständige terre des hommes Mitarbeiter Milo Roten hat die Freiburger Arbeitsgruppe mitgegründet.

Dieser Gründungsgruppe gehörten etwa 12 Personen an. Der geographische Schwerpunkt der Arbeit liegt bei der AG Freiburg in Südostasien, die seit ihrer Gründung dort aktiv ist. Seither hat sie zahlreiche Aktionen zu Südostasien gemacht und deshalb auch gute Kontakte zu einigen LänderkoordinatorInnen in der Region. .

Waage Stand AG Freiburg

Einige dieser ProjektpartnerInnen waren auch schon zu Vorträgen in Freiburg und einige Mitarbeiter der AG haben bereits Projekte vor Ort besucht und so einen ganz persönlichen Bezug zur Arbeit dort. Allerdings beschränken sich die Aktivitäten der AG Freiburg nicht nur auf diese Region, sie beschäftigt sich auch mit übergreifenden Themen wie Kinderarbeit, Kinderhandel und Kindersoldaten und informiert über Projekte und die Situation in anderen Ländern. Die AG Freiburg arbeitet bei ihren unterschiedlichen Aktionen auch mit anderen Arbeitsgruppen in Deutschland zusammen.
Einmal im Jahr treffen sich die AGs im Südwesten zur Regionalkonferenz in Karlsruhe.
Dazwischen koordiniert eine ehrenamtliche Regionskoordinatorin die gemeinsamen Aktionen. 2-3 Mal im Jahr erscheint eine Süd-West-Info, die auch ehrenamtlich erstellt wird und über Aktionen und Aktivitäten in der Regio berichtet.
In den anderen Regionen läuft das ähnlich ab. Am 20. Oktober beteiligte sich die AG Freiburg gemeinsam mit der AG Stuttgart an der landesweiten Demonstration „ Für militärfreie Bildung und Forschung“. Bundesweit gibt es immer wieder Aktionen, z.B. die Auftaktveranstaltung zur Kampagne für ökologische Kinderrechte oder die Banner-Mal-Aktion für Rio, an der sich viele Schulen, Arbeitsgruppen in Deutschland und Partner aus den Projektländern beteiligt haben.

Außerdem gibt es auch ehrenamtliche thematische Arbeitsgruppen bei terre des hommes, die sich landesweit mit bestimmten Themen beschäftigen und Aktionsvorschläge und Materialien dazu erarbeiten. Mitglieder der AG Freiburg sind in den Arbeitsgruppen Südostasien und Entwicklungspolitik vertreten. Im Laufe der Jahre hat die AG Freiburg immer wieder mit unterschiedlichen Initiativen (ai, Freiburger Straßenschule, aber auch Firmen, wie die GLS-Bank) und Einzelpersonen zusammengearbeitet. Z.B. wurden Mitglieder der AG Freiburg immer wieder von LehrerInnen in und um Freiburg zu Schulstunden oder Projekttagen eingeladen, um über ein Projekt oder ein bestimmtes Thema zu berichten. Terre des hommes ist auch Gründungsmitglied des Eine-Welt-Forums Freiburg und hat sich mit anderen Gruppen erfolgreich für die Kinderarbeitsfreie Beschaffung durch die Stadt Freiburg eingesetzt.

Die AG Freiburg ist außerdem Mitglied beim Freiburger Runden Tisch „Schulfrei für die Bundeswehr“, der sich gegen die Kooperationsvereinbarung zwischen Bundeswehr und dem Kultusministerium Baden-Württembergs einsetzt. Immer wieder wird AG Freiburg auch von Musikerinnen bei Benefizveranstaltungen und Ausstellungseröffnungen unterstützt, z.B. von Las Periconas, dem Lateinamerikanischen Chor und dem Susi-Chor.

Sehr gerne hätte die AG Freiburg ein/e Regional-BotschafterIn, also eine prominente Persönlichkeit in der Region, die sich bei bestimmten Aktionen und in der Öffentlichkeit für die Ziele von terre des hommes einsetzt. In anderen Städten und Regionen gibt es das schon, leider hat sich für Freiburg noch kein Prominenter dafür gefunden. Die Projekt-, Öffentlichkeits- und Anwaltschaftsarbeit von terre des hommes Deutschland wird zu knapp 80 Prozent aus privaten Spenden finanziert, die restlichen Mittel sind vor allem Zuschüsse für einzelne Projekte – überwiegend vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Europäischen Union.

Waage Auf dem Kartoffelmarkt

Leider gehen gerade – wie bei den meisten Organisationen – die Einnahmen im Bereich Spenden eher zurück. Allerdings hat terre des hommes immer noch einen stabilen Sockel an Dauerspen-derInnen. Transparenz und Zuverlässigkeit spielen dabei eine große Rolle, terre des hommes hat auch das DZI-Spendensiegel. Viele Menschen spenden heute aber lieber sporadisch als kontinuierlich, das macht die Spendeneinnahmen weniger kalkulierbar, außerdem spenden viele nur oder besonders bei Katastrophen.

Es ist aber wichtig auch in den Ländern kontinuierlich Projekte für Kinderrechte und eine starke Zivilgesellschaft zu unterstützen, die gerade nicht in den Medien erwähnt werden. Terre des hommes kontrolliert natürlich die Ausgaben und die Projektdurchführungen, das geschieht durch die Geschäftsstelle in Osnabrück und die LänderkoordinatorIn (weitgehend einheimisches Personal), welche vor Ort sind und die Projekte regelmäßig besuchen und begleiten. Sollten dabei ausnahmsweise auch mal Ungereimtheiten vorkommen, muss geprüft und geklärt werden, woran das liegt.

Meist steckt kein böser Wille oder Korruption dahinter, sondern einfach nur Unwissenheit, die zu unklaren Abrechnungen führt, oft bei den kleineren NGO. Im extremen Fall muss die Zusammenarbeit beendet werden. Für terre des hommes ist es ein wichtiges Anliegen mit demokratisch aufgebauten Gruppen (Nichtregierungsorganisationen, Basisgruppen) aus den jeweiligen Regionen zusammen zu arbeiten, so dass bereits eine gewisse interne Selbstkontrolle vorhanden ist. Viele der Projektpartner kooperieren schon lange mit terre des hommes und fühlen sich als Teil einer Solidargemeinschaft für eine Erde der Menschlichkeit.

Meines Wissens nach ist terre des hommes die einzige Organisation, die den PartnerInnen aus dem Projekten auch die Möglichkeit der konkreten Mitbestimmung im Verein gibt. Alle zwei Jahre gibt es zudem eine Projektreise für Arbeitsgruppenmitglieder. Diese Reisen muss jedeR, der/die mitfährt, privat finanzieren, es werden keine Spendengelder dafür verwendet und es gibt die Verpflichtung, dass sämtliche TeilnehmerInnen anschließend das Erlebte und Erfahrene im Verein oder auch in lokalen Veranstaltungen weitergeben, nachdem sie, meist hoch motiviert, von solchen Reisen zurück kommen. Armut oder die Verletzung von Kinderrechten ist natürlich nicht nur ein Thema im Ausland. Terre des hommes unterstützt deshalb auch in Deutschland Projekte, das sind hauptsächlich Projekte für Flüchtlings- und Migrantenkinder und obdachlose Kinder.

Wichtig ist in Deutschland vor allem die politische Lobbyarbeit für Flüchtlingskinder und deren Rechte. Hier hat terre des hommes gemeinsam mit mehr als 40 weiteren Organisationen die Kampagne „Jetzt erst Recht(e) für Flüchtlingskinder!“ ins Leben gerufen. Ziel ist es Gesetzesänderungen und konkrete Verbesserungen für Flüchtlingskinder in Deutschland zu erreichen. Denn obwohl die Bundesregierung im Juli 2010 offiziell den seit 18 Jahren bestehenden Vorbehalt zur UN-Kinderrechtskonvention zurückgenommen hat, werden Flüchtlingskinder im Vergleich zu Kindern mit deutschem Pass weiterhin massiv benachteiligt, unter anderem in der Gesundheitsversorgung, bei Schul- und Berufsbildung, Arbeitsmöglichkeiten, Bewegungsfreiheit sowie der Möglichkeit mit ihrer Familie oder Verwandten zusammenzuwohnen.

Außerdem engagiert sich die AG Freiburg gegen die zunehmende Werbung der Bundeswehr in Bildungseinrichtungen. Hier fordert terre des hommes: 1. Stopp jeder Art von militärischer Werbung bei Minderjährigen! 2. Stopp der Rekrutierung von 17-jährigen Freiwilligen durch die Bundeswehr! 3. Friedenserziehung verbindlich in den Lehrplänen und bei der Lehrerfortbildung verankern! Ein weiteres und besonderes Anliegen ist die Kampagne für ökologische Kinderrechte, die terre des hommes unter dem Motto
„Kinder haften für ihre Eltern – Genug geredet – ökologische Kinderrechte achten“
durchführt. In allen Projektländern sind PartnerInnen zunehmend von der Umweltzerstörung und -ausbeutung betroffen. Durch die Vergiftung von Land und Wasser und Vertreibung von ihrem Land. Fast immer hat das mit der Ausbeutung von Ressourcen durch Großunternehmen zu tun (Agrobusiness für Export und Energiegewinnung, Bergbau für Ressourcen, Staudämme zur Stromgewinnung).

Für die Menschen vor Ort geht es vielfach um das nackte Überleben, sie schuften unter unhaltbaren Bedingungen im Bergbau (auch Kinder), sie verlieren ihr Land, ihre sozialen und kulturellen Wurzeln durch Vertreibung und ihre Lebensgrundlagen, die oft in der Landwirtschaft und im Fischfang liegen, werden zerstört. Viele Umweltaktivisten, die sich in den betroffenen Ländern, gegen Großprojekte engagieren, bezahlen ihren Einsatz mit dem Leben. Wichtig ist der AG Freiburg auch noch das Finden von neuen Mitarbeitern.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten sich vor Ort bei terre des hommes zu engagieren. Mehr Info darüber auch unter www.freiburg.tdh.de. Die nächsten Aktionen und Veranstaltungen sind: 8. Dezember 2012: Weihnachtsmarkt Freiburg 27. April 2013: Benefizkonzert in der Wodanhalle (Konzert mit dem Lateinamerikanischen Chor anlässlich dem 40-jährigen Jubiläum der terre des hommes AG Freiburg.)

Micky


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