WARUM JIM MORRISON EINE DISSOZIATIVE PERSÖNLICHKEIT WAR

Jim Morrison - ein biographischer Überblick (Teil 1)

BilderJames Douglas Morrison wurde am 8. Dezember 1943 in Melbourne, Florida geboren. Er war der erste Sohn von Stephen und Clara Morrison. Die Familie selbst galt als klassische Militärfamilie.

Jims Vater Stephen diente als Führungsoffizier in der U.S.Navy, was zur Folge hatte, dass die Familie mehrmals pro Jahr umziehen musste.

im wurde überwiegend von seiner Mutter Clara erzogen. Er galt als kreatives, aber eigenbrötlerisches und rebellisches Kind, wofür seine Eltern nur wenig Verständnis aufbrachten. Die Familie galt als streng katholisch.

Ihr Gottesbild entsprach jedoch mehr der Verdammung des Bösen als weniger der verzeihenden Liebe Gottes.

Laut Morrison fasten seine Eltern die Religion als ein System von Bestrafungsritualen auf, was sie bereits bei kleinsten Verfehlungen anwandten.

In früher Kindheit erlebte Jim ein prägend traumatisches Erlebnis. Ein Lastwagen, der indianische Arbeiter transportierte, kollidierte mit einem anderen Pkw. Auf der Straße lagen sodann die blutenden Leichen der Indianer herum. Jim beobachtete dies während einer Autofahrt mit seiner Familie. Obwohl er es versuchte, so konnte er dieses Erlebnis nie richtig verarbeiten und seine Eltern waren unfähig ihm dabei zu helfen.

Die Familie vergrößerte sich durch die Geburten von Jims Schwester Anne und seinem Bruder Andy. Jim fühlte sich in keiner Weise zu seinen Geschwistern hingezogen. Trotz eines relativ guten Verhältnisses zu ihnen, konnte er darin keine Entschädigung für die emotionale Kälte und Leere finden, die er durch die religiöse Erziehung seiner Eltern zu spüren bekam.

Er wurde ungezogen und schwierig, was das Verhältnis zu seiner Familie nicht verbesserte und zu Ablehnung führte. Anfang der 1950er Jahre, vor Stephen Morrisons Beteiligung am Korea-Krieg, kam es zu weiteren Umzügen. In dieser Zeit verhielt sich Jim sehr introvertiert und begann viel zu lesen. Durch das permanente Umziehen lernte er sehr schnell Kontakte zu seinen Mitschülern zu knüpfen, aber auch, keine bindende Freundschaften und Beziehungen einzugehen.

Die einzige Bindung, die er einging, war die zu seinen Büchern. Sie bedeuteten für ihn ein gewisses Maß an Halt und Kontinuitätserleben. In der Schule selbst erreichte er sehr gute Ergebnisse aufgrund seiner Intelligenz. Die Themen der Entwertung und Ablehnung waren für ihn von bedeutendem Interesse.

In seinen Büchern fand er sodann seine Nahrung für Ideen, die ihn über die allgegenwärtige Realität hinwegtrösteten. Trotz guter Noten störte er den Schulunterricht immer häufiger und hatte fast durchgängig Disziplinprobleme.

Allerdings entwickelte er sich gleichzeitig zu einem Leser anspruchsvoller Literatur (Blake, Baudelaire, Rimbaud, Kerouac, Nietzsche, etc.). Hier fand er Konzepte für die Entwicklung einer ganz eigenen Weltsicht und Moral, die die Werte der Eltern und die lähmenden Bindungen ersetzen und ihm die Entwicklung eines authentischen

Selbst ermöglichen sollten. So begann er Gedichte und ein Tagebuch zu schreiben. Den Abschluss der Schule absolvierte er 1961 an einer High School in Virginia. Danach lebte er bei seinen Großeltern in Clearwater, Florida.

Auch hier ließen sich seine massiven Disziplinprobleme nicht verbergen. Die Großeltern waren mit seinen nächtlichen Ausflügen, die nicht selten mit Alkoholexzessen verbunden waren, komplett überfordert. Morrison selbst empfand dadurch ein gewisses Gefühl von Freiheit und entwickelte einen extravaganten Lebensstil.

Während seiner Zeit auf dem Junior College intensivierte er seine philosophischen und psychologischen Interessen. 1962 wechselte er auf die Florida State University. Zu dieser Zeit galt sein besonderes Interesse Norman O. Browns Buch "Life Against Death: The Pschoanalytic Meaning of History". In Anlehnung an Freud entspricht es der These, dass der Mensch seine Triebe und Wünsche unbewusst ausleben und grundlegend ein gewisses Zerstörungspotential und Todestrieb besitzen würde.

Morrison war von dieser Ansicht beeindruckt und versuchte Browns Konzepte praktisch anzuwenden. Anfang 1964 zog er trotz des Widerstandes seiner Eltern nach Los Angeles, um seine Studien an der Filmhochschule der University of California fortzuführen. Der letzte Kontakt zu seinen Eltern brach darauf ab.

Viele Jugendliche waren damals ähnlich enthusiastisch in ihrer Sehnsucht nach alternativen Lebensformen, die sie mit "kalifornischen Träumen" verbanden. Auch seine Kommilitonen in der Filmakademie fühlten sich als Avantgarde und gemeinsam mit ihnen suchte

Jim Morrison nach vielfältigen, die konventionellen Grenzen überschreitenden Erfahrungen. Die Persönlichkeitsstruktur Morrisons führte jedoch grundsätzlich zu Schwierigkeiten. Zwar galt er als selbständig und unkonventionell, doch fehlte es ihm an Geduld, Widerstandsfähigkeit, Frustrationstoleranz und Disziplin.

Seine Umgebungsbedingungen waren beeinträchtigt durch unsichere Bindungen und fragile emotionale Beziehungen, die von Lieblosigkeit und Entwertung gekennzeichnet waren. Seine eigenen narzisstischen Selbstinszenierungen und die Manipulation seiner Gefühle und Vorstellung durch Alkohol und Drogen führte dazu, dass Morrison den Boden unter den Füßen verlor und zu keiner ausreichend stabilen Selbst- und Weltgestaltung finden konnte.

Selbstverständlich waren Jim Morrisons Gefühle des Verlorenseins in einer fremden Welt kein Dauerzustand. Er konnte durchaus auch Zufriedenheit, Freude und Schönheit erleben. Besonders seine Spätadoleszenz erlebte er als Befreiung und entdeckte in seiner Sexualität einen Bereich, in dem er sich lustvoll ausleben konnte. Nach seinem Universitätsabschluss 1965 führte er in Venice Beach ein Boheme-Leben.

Jener Stadtteil von Los Angeles galt zu dieser Zeit als ausschließlich von Künstlern, Hippies und Aussteigern bevölkert. Hier traf er Ray Manzarek wieder, einen früheren Kommilitonen, der von Morrisons Gedichten so begeistert war, dass er ihn zum Singen motivieren konnte.

Morrison und Manzarek gründeten noch im selben Jahr die Rockband The Doors. Der Name entsprach dabei Aldous Huxleys "The Doors of Perception" als Referenz an eine Hoffnung auf Bewusstseinserweiterung durch psyche-delische Drogen. Während erster Auftritte in schäbigen Clubs, lernte Morrison Pamela Courson kennen, mit der er bis zu seinem frühen Tod 1971 in einer Art offenen Beziehung lebte.

Dabei schienen Alkohol und Drogenexzesse für beide notwendig zu sein, um sich intensiver erleben zu können. Ihre Sehnsüchte nach starken Erlebnissen und der Erweiterung des Selbst entsprangen nicht nur schlichtem Hedonismus, sondern waren Ausdruck einer tief empfundenen Einsamkeit und Verzweiflung.

Selbst innerhalb seiner Dichtungen suchte er nach Worten für die Melancholie, die ihn als Grundgefühl begleitete und sich immer wieder periodisch verstärkte. 1967 erschien die Single Light my Fire und erreichte den ersten Platz der amerikanischen Charts. Innerhalb weniger Monate wurden die Doors zu einer der populärsten Rockgruppen der Vereinigten Staaten. In Oliver Stones Film The Doors, von 1991, wurde Jim Morrisons Lebenswandel eindrucksvoll dargestellt.

Das erste Album der Doors war ein Meisterstück und zeigte eine unverwechselbare Handschrift, sowohl musikalisch als auch in den Texten. Letztere berichten von der Sehnsucht nach Grenzüberschreitung, die Jim Morrisons Adoleszenz und Seelenlage so sehr entsprachen.

1968 brachten sie Waiting for the Sun - ihr drittes Album - heraus. Ihre Musik wurde kommerzieller, aber auch blasser und die Texte erlangten fast schon traurige Banalität. Morrison wurde zusehends abhängiger von Alkohol und Drogen, womit er damals noch seine Stimmungen und seine Kreativität zu regulieren glaubte.

Übergewicht, vernachlässigte Kleidung und Körperpflege waren nur einige der äußerlichen Zeichen seines massiven Alkohol- und Drogenmissbrauchs. Konzerte mussten abgesagt werden und sexuelle Exzesse mit Fans und Groupies hinterließen ein psychisches Leergefühl.

Er fing an mit Selbstmord zu drohen und ging mit seinen psychedelischen Trips an die Grenzen des physisch Überlebbaren. Nach vielen Exzessen und einer längeren Pause, traf die Band 1970 letztmalig zusammen, um L. A. Woman aufzunehmen.

Im März 1971 ergriff er die Flucht aus seinem desorganisierten Leben und zog nach Paris. Berichte von Freundinnen und Freunden schilderten ihn als sehr depressiv und vereinsamt.

 Morrison starb am 03. Juli 1971 durch eine Überdosis Heroin in seiner Badewanne. Zumindest laut Angabe von Pamela Courson, denn eine Autopsie wurde offiziell nie durchgeführt.

Mit 27 Jahren glänzte sein Stern zwar grell, jedoch nicht lange. Seit 1964, als er nach Los Angeles zog, hatte er keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Weder er noch sie wünschten das.
 
Harry Bejol

Lesen Sie im zweiten Teil "Die dissoziative Persönlichkeit Morrisons", wie diese Persönlichkeitsstruktur bei Morrison analysiert werden kann und inwiefern sie seine Lebensweise beeinflusste.

Harry Bejol