Interview mit Fritz Keller

Seit 2010 ist der viel beschäftigte und Fußballbegeisterte Kaiserstühler 1. Vorsitzender des SC Freiburg. Für uns fand der umtriebige Geschäftsmann und Fußballfachmann etwas Zeit und beantwortete dem FREIeBÜRGER einige Fragen.



Herzlichen Glückwunsch nochmals zu der erfolgreichen Saison und dem Erreichen der Europa-League! Nachdem der SC Freiburg ein Jahr zuvor in der Winterpause noch wie ein sicherer Absteiger aussah, kam Trainer Streich, das Team legte eine Superrückrunde hin und dann diese grandiose letzte Saison. Wie ist der plötzliche Erfolg zu erklären? Kann man ihn wirklich an der Person des Trainers festmachen?

So plötzlich kam der Erfolg gar nicht, unsere erfolgreiche Jugendarbeit hat sich nachhaltig ausgezahlt. Es war schon immer die Grundphilosophie des SC Freiburg, auf junge, eigene Spieler zu setzten, schon allein aus wirtschaftlichen Gründen.
Unser Trainer Christian Streich ist seit ungefähr 18 Jahren im Verein und durch seine langjährige Arbeit im Nachwuchsbereich hat er sehr guten Kontakt zu den jungen Spielern.
Er hat es in der vergangenen Saison verstanden viele dieser Nachwuchstalente in die erste Mannschaft einzubinden und so kam dieser Erfolg zustande.
Der Sport-Club Freiburg und die Freiburger Fußballschule sind seit vielen Jahren für die herausragende Nachwuchsarbeit bekannt. Wie ist es zu erklären, dass so wenige der in Freiburg ausgebildeten Talente beim Sport-Club Freiburg bleiben?
Wäre es nicht möglich gerade jungen Spielern Verträge mit längeren Laufzeiten bzw. höheren Ausstiegsklauseln zu bieten?
Ganz so verhält es sich ja nicht, wir sind in der gesamten Bundesliga der Verein mit den meisten selbst ausgebildeten Spielern im Profikader.
So hatten wir zum Beispiel im Spiel gegen Bayern München vor kurzem 10 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs dabei, davon standen 8 in der Startelf. Natürlich können wir unsere Talente aus den bereits angesprochenen wirtschaftlichen Gründen nicht immer langfristig an den Verein binden.

In der Finanztabelle der Bundesliga rangieren wir ganz unten und können somit den Spielern keine solchen Traumgehälter bieten wie andere Vereine. Die jungen Spieler werden hier ausgebildet und an die Bundesliga herangeführt, bleiben dann meist eine Weile hier, aber wenn dann ein wirtschaftlich deutlich besser gestellter Verein an uns heran tritt und einen unserer junger Spieler umwirbt, können wir nicht mehr mithalten.

Doch wir werden auch weiterhin auf den Nachwuchs setzen und werden das Geld, das durch Spielerverkäufe hineinkommt nicht in teure Stars investieren, sondern lassen einen Großteil wieder in die Nachwuchsarbeit fließen.

Mit den Ausstiegsklauseln ist das auch immer so eine Sache, die Spieler müssen den Vertrag ja auch unterschreiben, nicht nur wir allein. Und jeder von den jungen Kickern träumt doch davon, irgendwann einmal bei einem großen Verein zu spielen oder mehr Geld zu verdienen.
Doch bei gewissen Forderungen müssen wir dann eben einfach Nein sagen!
Sehen Sie die zahlreichen Abgänge von Stammspielern der letzten Saison als gleichwertig ersetzt?
Natürlich ist es für keinen Verein einfach, den Weggang von sechs Stammspielern auf einmal zu verkraften, aber wir haben es nun mal tun müssen und ich glaube auch, dass uns das ganz gut gelungen ist. Meiner Meinung nach sind wir individuell genauso gut aufgestellt wie in der letzten Saison, wenn nicht gar besser. Allerdings laufen innerhalb des Spielsystems noch nicht alle Rädchen ineinander, was man nach solch kurzer Zeit aber auch noch nicht erwarten kann. Aber ich bin mir sicher, das wird noch.
Nun ist der SC Freiburg ja nicht gerade berauschend in die neue Saison gestartet. Nur 2 Punkte aus 5 Spielen, gibt es da schon Anlass zu Sorgenfalten?
Nein bei uns schrillen noch keine Alarmglocken, wir bleiben da ganz ruhig. Wir wissen, dass wir hier gute Arbeit leisten und schauen deswegen auch noch nicht so verbissen auf die Tabelle. Man muss aber dabei auch die Umstände sehen, wie die Niederlagen zustande kamen.

Wir hatten ein schwieriges Startprogramm, mit Leverkusen und den Bayern gleich in den ersten Spielen, haben derzeit viele Verletzte und fingen unglückliche Gegentore, wie zuletzt gegen Augsburg. Da waren teilweise Spiele dabei, bei denen man so schön sagen kann, wir hatten kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu!

Aber wir werden hier nicht anfangen zu jammern, sondern weiter konzentriert arbeiten und dann stellt sich der Erfolg auch wieder ein! Dass wir nicht so schlecht sind, wie die Tabelle es aussagt, hat das Spiel gegen Bayern München gezeigt.
Wie sehen Sie die Chancen auf einen ähnlich erfolgreichen Saisonverlauf wie den letzten, angesichts der Mehrbelastung durch den Europacup? Ist die Mannschaft dafür schon reif genug?
Sie muss es einfach sein. Natürlich hat die Mannschaft eine größere Belastung als sonst und ist international auch ziemlich unerfahren, aber gerade die jüngeren Spieler kann das in ihrem Reifeprozess auch voran bringen. Es ist auch völlig klar, dass niemand von uns erwarten kann in jeder Saison oben mitzuspielen, dafür fehlt uns das Potential und das kann auch nicht unser Maßstab sein. Aber wir werden auch im nächsten Jahr in der Bundesliga spielen.
Der Sport-Club spielt in diesem Jahr zum dritten Mal im Europacup. Nach der Auslosung schienen Sie sehr zufrieden mit den Gegnern und freuten sich auf die Begegnungen. Wie sieht es ein paar Wochen später aus, was trauen Sie Ihrer Mannschaft zu?
Ich bin immer noch zufrieden mit dieser Gruppe und der 2. Platz, und somit das Weiterkommen muss auf jeden Fall drin sein. Wir wollen uns und den deutschen Fußball gut präsentieren und uns durch gute Spiele in der Europa-League auch Selbstvertrauen für die Bundesliga holen und die Euphoriewelle mit in die Liga nehmen.
Seit 2010 sind Sie der 1. Vorsitzende des SC Freiburg. Wie lange sind Sie schon im Verein und seit wann schlägt Ihr Herz für den Sportclub?
Fußball wurde mir ja schon in die Wiege gelegt, schließlich war der große Fritz Walter aus Kaiserslautern mein Taufpate, deswegen lautet mein voller Name Fritz Walter Keller. Mein Vater war ziemlich engagiert beim Freiburger FC, so dass ich als kleiner Junge bei vielen Spielen im Möslestadion war.

Doch mich zog es bald zum Sport-Club, der FC war nie wirklich ein Thema. Seit Ende der 80er Jahre bin ich Mitglied im Verein und seit 1992 im Vorstand des Vereins. Dort übernahm ich überwiegend Marketingaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit.
War es für Sie schwer, die Nachfolge von Achim Stocker anzutreten und wie groß waren seine Fußstapfen?
Ich habe sehr lange mit ihm zusammen gearbeitet und kannte ihn sehr gut. Natürlich war es schwer in so große Fußstapfen zu treten und ein solches Erbe anzutreten. Aber wir sind hier beim SC irgendwie alle eine Familie, was die Arbeit einfacher macht. Ich bin letztendlich froh, die Verantwortung übernommen zu haben und ich hoffe, viele andere im Verein auch.
Wie wichtig ist Ihnen der Stadionneubau und wie weit ist der Plan dazu denn fortgeschritten?
Das neue Stadion ist für den Bundesligastandort Freiburg existenziell wichtig! Wir haben unser Stadion im Laufe der Jahre immer wieder erweitert und modernisiert, doch irgendwann sind uns Grenzen gesetzt. Wir sehen ja allein vor dem anstehenden Europapokalauftakt, welche Bedingungen wir bei internationalen Spielen erfüllen müssen, das ist auf Dauer an diesem Standort nicht möglich. Favorisiert wird immer noch der Stadionneubau am Flugplatz, dort gäbe es die idealen Bedingungen, auch für die Verkehrsanbindungen. Aber der Standort wird zurzeit immer noch untersucht, wir müssen noch einige Gutachten und Befragungen der Anwohner abwarten.
Sollte während Ihrer Präsidentschaft der SC das Kunststück fertig bringen deutscher Meister zu werden, welche verrückte Aktion wäre Ihnen dann zuzutrauen und wie ist Ihr Tipp für den Ausgang dieser Saison?
Lachend!) Darüber mache ich mir nun wirklich keinen Kopf, der Gedanke, dass wir mal Meister werden ist zu utopisch. Ganz im Ernst, wir wollen versuchen in der Bundesliga mitzuhalten und den Zuschauern guten Fußball bieten, über die Meisterschaft sollen sich andere Gedanken machen, die besser aufgestellt sind. In dieser Saison wird es wohl wieder so ausgehen wie in den letzten Jahren. Die etablierten wirtschaftlich starken Vereine werden oben mitspielen und die Meisterschaft unter sich ausmachen!
( Wie bewältigen Sie Ihr hohes Arbeitspensum? Schließlich sind Sie ja nicht nur 1. Vorsitzender eines Bundesligavereins, sondern auch noch Winzer, Gastronom und Familienvorstand.
Ich sehe das nicht unbedingt als Arbeit, eher als Aufgabe. Natürlich kommt die Familie manchmal etwas zu kurz, in diesem Sommer waren es gerade drei Tage Urlaub. Aber wir leben ja schließlich im Zeitalter der technischen Kommunikation und so können wir uns untereinander ständig erreichen. Aber mir machen meine Tätigkeiten auch viel Freude, ich brauch den täglichen Umgang mit Menschen, der ist mir sehr wichtig. Ich steh z.B. morgens sehr früh auf und geh ins Weingut oder in die Reben, ich muss immer unterwegs sein.
Kennen Sie den FREIeBÜRGER und was halten Sie von der Zeitung und dem Projekt?
Die Zeitung kenne ich schon länger, wenn ich in die Stadt komme kaufe ich sie mir auch auf der Straße. Ich finde sehr viele Artikel gut und wichtig. Ihr weist die Gesellschaft auf Probleme und Mängel hin und vor allem auf die Notwendigkeit zur Hilfe. Euer Projekt ist großartig, vor allem dass ihr selbst Arbeitsplätze geschaffen habt. Das nenne ich Hilfe zur Selbsthilfe und ist eine ganz tolle Sache!
Sind Sie selbst auch in irgendeiner Art und Weise sozial engagiert!
Selbstverständlich! Als größtes soziales Projekt möchte ich unsere Fußballschule bezeichnen, in der es uns seit Jahren gelingt, Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern. Wir holen sie vom Fernseher oder irgendwelchem Alltagstrott weg und bieten ihnen eine Möglichkeit, sich zu entwickeln. Natürlich wird nicht jeder ein Fußballprofi, aber die Jugendlichen nehmen etwas mit fürs Leben. Viele von ihnen spielen in höheren Amateurklassen weiter Fußball und werden in ihren Vereinen dann mal Trainer, auch das ist ja wichtig. Außerdem unterstütze ich Schul- und Studienprojekte und engagiere mich in der Kindermusikförderung bei uns im Dorf. Wichtig ist mir auch der Verein "Taube lernen Hören", wo ich ebenfalls im Vorstand bin. Hier versuchen wir Kindern, die taub zur Welt gekommen sind, mittels Implantaten und ärztlicher Betreuung das Hören wieder zu ermöglichen.


Wir bedanken uns recht herzlich bei Ihnen, für dieses Gespräch und wünschen dem Sport-Club Freiburg und Ihnen persönlich viel Erfolg und natürlich auch das nötige Glück!


Ausgabe Juli 2013

Doppelausgabe Dieser Artikel von Carsten steht in der Oktoberausgabe 2013


Fritz Keller

Der heutige 1. Vorsitzende des Sport-Club Freiburg wurde am 2.April 1957 in Freiburg geboren. Er wuchs in einer Winzer- und Gastronomenfamilie in Oberbergen am Kaiserstuhl auf.

Der gelernte Winzer übernahm 1990 in dritter Generation das familieneigene Weingut und danach auch das Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen, in dem sein älterer Bruder Franz der Koch ist.

Das Restaurant wurde seit 1969 ununterbrochen mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Dazu kam dann auch noch das dazugehörige Hotel sowie mit dem Winzerhaus Rebstock eine typisch badische Gastwirtschaft.

Im Sommer dieses Jahres verwirklichte er auf seinem Weingut ein weiteres Bauprojekt.

In einem dreistöckigen Riesenbungalow befindet sich seine neue Weinkelterei, in der man 360 000 Flaschen pro Jahr abfüllen will sowie Familienrestaurant Nummer drei.

Als Botschafter der Weinkultur Badens gewann er mit seinen Weinen internationale Anerkennung und viele Auszeichnungen.

2012 bekam er die Brillat Savarin-Plakette, mit der Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten um Gastlichkeit und Tafelkultur ausgezeichnet werden.

Seit 2010 ist der viel beschäftigte und Fußballbegeisterte Kaiserstühler 1. Vorsitzender des Fußballbundesligisten SC Freiburg.