Early Folk Band

folkmusic Im September `13 gaben "THE EARLY FOLK BAND" in der Kirche Sankt Ursula in der Rathausgasse ein besonders schönes Folk Konzert.

Der FREIeBÜRGER hatte das Glück mit zwei Pressekarten von der Band eingeladen zu werden.

Da ich ab und zu auch gerne Folk höre, war ich gespannt darauf, was mich erwartet.

Um es vorweg zu nehmen: Ich fand das Konzert so gut, dass ich Gesine Bänfer gleich zu einem Interview eingeladen habe.

Gesine, schön, dass du die Zeit für dieses Interview gefunden hast. Stell dich doch kurz einmal vor...

Hallo, mein Name ist Gesine Bänfer und ich wohne seit meinem achtzehnten Lebensjahr, jetzt über dreißig Jahre, in Freiburg. Ich bin Mutter von vier Kindern und arbeite als freiberufliche Musikerin. Die Idee und der Wunsch, Musikerin zu werden, hatte ich seit meiner Kindheit. Ich habe nie Musik studiert und habe mir das Spielen ganz alleine beigebracht.

Angefangen hat alles in einer Mädchenband, die wir als 13-jährige aus Langeweile gründeten und in der ich Schlagzeug spielte. Später habe ich dann mit dem Kauf einer Blockflöte und einem Notenheftchen meine musikalische Grundausbildung selber nachgeholt.

Als Plan B habe ich vor ein paar Jahren eine Zusatzausbildung als Lehrerin gemacht, falls das mit meiner Musikkarriere irgendwann nicht mehr geht. Ich werde ja schließlich auch nicht jünger. Glücklicherweise kann ich seit über dreißig Jahren von der Musik leben.
Du spielst zur Zeit aktiv in den Bands "Les haulz et les bas" (Alte Musik), "Magic Pipes" (Bagpipe Concerts and Festivals) und "Contraband" (Euro Folk).

Die "EARLY FOLK BAND" (early folk music), um die es ja geht, ist dein viertes Musikprojekt, an dem du zur Zeit arbeitest.
Seit wann tretet ihr in dieser Formation zusammen auf?
Wir treten jetzt seit fast genau zwei Jahren in dieser Formation auf. Kennen tun wir uns aber teilweise schon über zwanzig Jahre.
Beschreibe uns doch mal die Art von Musik, die ihr macht.
Es ist sehr alte Folk Musik, es sind Balladen, die wir auf alten Instrumenten spielen.

Die Dudelsäcke, auf denen wir spielen, kommen aus Nordengland und nennen sich "Northhumbrian Smallpipes". Das sind Kammermusik-Dudelsäcke, die sehr leise sind.
Die Fidel, auf der die Suse spielt, ist eine mittelalterliche Fidel.
Miriams Harfe ist eine gotische, mittelalterliche Harfe. Unsere Gitarren sind Kopien von alten Instrumenten aus dem 18. Jahrhundert.

Was uns verbindet ist, dass wir alle eine Liebe zur alten Musik haben und Spezialisten auf verschiedenen Gebieten sind. Die Musik wird quasi authentisch von uns rekonstruiert. Neben dieser "ernsthaften" Bechäftigung mit alter Musik könnte man uns aber auch als heimliche Folkfreaks beschreiben. Wir alle lieben diese Art von Musik.

Die "alte" Folkmusik wurde nicht in Prachthandschriften aufgeschrieben, so wie die komplizierte Kunstmusik. Trotzdem lässt sie sich anhand alter Quellen wieder rekonstruieren. Es gibt beispielsweise alte Einzelblätter mit Balladentexten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die erhalten geblieben sind.

Ian zum Beispiel geht oft ins Mikrofilmarchiv in Basel und verbringt Stunden über kleinen Mikrofilmen, guckt sich dort die Handschriften an, wo alte Musik halt aufgeschrieben wurde und kopiert sich die Sachen.

Die Balladen von früher waren wie gesungene Zeitschriften oder Romane. Sie hatten oft über 150 Strophen und erzählten ganze Lebensgeschichten, und das Publikum war häufig des Lesens unkundig.

Wir wollen diese Musik von früher wieder zum Leben erwecken. Das ist eine unheimlich schöne Arbeit.
Also ist euer Ziel die Rekonstruktion der Verbindung zwischen alter und traditioneller Musik und ihre Umsetzung für das 21. Jahrhundert?
Prägnanter kann man das jetzt wirklich nicht sagen. Irish Folk ist z.B. heute noch sehr beliebt. Das ist eine ganz alte Tradition, die man in den Liedern spürt. Viele von den Sachen, die wir machen, klingen vielleicht ähnlich, sind aber nicht Irish und auch keine modernen Tunes, sondern Musik, die jemand mal im 17. Jahrhundert aufgeschrieben hat.

Dadurch, dass es alte Musik ist, haben wir nicht das Problem mit der GEMA, da keiner einen Anspruch auf die Urheberrechte hat. Das heißt, dass es für uns einfach ist, die Musik aufzunehmen und zu verbreiten. Das ist der Vorteil, wenn man alte Musik spielt.
"Folkmusik" beeinflusst "Kunstmusik" und umgekehrt. Kann man das so sagen?
Ja, das kann man durchaus. Durch unsere kunstvolle Bearbeitung der alten Lieder, kann man schon von einer Art Kunstmusik sprechen.

Wir nehmen z.B. eine alte Ballade mit dramatischem Inhalt und verarbeiten den Text auch musikalisch; so werden beispielsweise die Improvisationen auf der Whistle - der alten Flöte - immer dramatischer, je dramatischer die Handlung im Text verläuft, oder klingen klagend, wenn die Jungfrauen um den gefallenen Ritter weinen.

Und in der Instrumentalmusik gibt es tatsächlich noch alte Drucke oder sogar Handschriften, in denen virtuose Verzierungen von einfachen Volksliedern aus dem 17. und 18. Jahrhundert überliefert sind. Diese Bearbeitungen sind sehr einfallsreich und auch schwer zu spielen.

Da muß man schon fortgeschritten sein auf seinem Instrument. Aber letztendlich sind es Volkslieder und Folkmusik, die wir spielen. Und trotz aller Virtuosität soll die Musik auch noch leicht klingen. Das ist unser Ziel: das Schwere leicht erscheinen zu lassen.
Neben der Musik und den wunderschönen historischen Tanzeinlagen von eurem begnadeten Tänzer Steven Player, erzählt ihr die wahre Geschichte von Robin Hood. Erzähle uns doch etwas darüber.
Er war wohl Sohn eines Adligen und hatte einen Streit mit dem Abt von St. Mary´s, dem er Geld geschuldet hat und ihm nicht zurückzahlen konnte. Der Abt enteignete Robin Hood und somit landete er quasi auf der Straße. Es trieb ihn in die Wälder, wo er sich dann wohl auch zeit seines Lebens aufhielt.

Zu jener Zeit gab es ein sehr großes Gefälle zwischen Arm und Reich. Viele wurden durch zu hohe Abgaben um ihren verdienten Lohn gebracht.

Aus dieser Not heraus verbündeten sich viele Gleichgesinnte und schlossen sich Robin Hood an. Er soll auch, laut Textauszügen in Balladen, ein sehr furchtloser Mann gewesen sein. Auch wenn er angeblich jedes Duell verloren haben soll, sahen seine Mitstreiter in ihm immer eine Führungsfigur. Er soll aber auch ein sehr menschlicher und gerechter Zeitgenosse gewesen sein.

Das erklärte Ziel von ihm war die Umverteilung von Reichtum.
Die Geschichte kennt man ja. Die Reichen wurden beklaut, um es den Armen zu geben. Das ist die Kurzfassung von der "wahren" Geschichte von Robin Hood.

Es gibt eine so große Fülle an Balladen, die seine Geschichte erzählen, die alle wirklich sehr schön sind. Die frühesten stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Was erwartet uns bei euren Auftritten? Eine Reise in die Vergangenheit?
Alles allererstes natürlich gute Unterhaltung und sicher auch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Es ist uns auch ganz wichtig, dass wir quasi an alle Gefühle der Leute anklopfen und sie auch bedienen.

Wir erzählen von der Fröhlichkeit des Lebens zu Zeiten von Robin Hood, aber auch von der Traurigkeit. Wir singen und tanzen, spielen auf unseren Instrumenten, und das, das kann ich mit Stolz sagen, auf einem relativ hohen Niveau.
Ihr räumt ja einen Preis nach dem anderen ab. Anders Zorns' Silbermedaille ('riksspelman'), Globale Ruth (Deutschlands bedeutendster Worldmusikpreis), Festival van Vlandern, Brügge, BRTN-Radiopreis (Belgien), Festival Rencontre Internationales de St. Chartier (France) "Beste Bläser" und "Beste Folk-rockband" der Deutschen Popstiftung und Grammy Award.
Wie geht ihr mit eurem Erfolg um?
Wettbewerbe sind eine Möglichkeit, sich einem bestimmten Publikum zu stellen. Meistens gehen Veranstalter zu solchen Wettbewerben hin, um einen dann hinterher anzusprechen und gleich zu buchen.Wenn man als Musiker irgendwie überleben will, ist es eigentlich nicht schlecht, sich solchen Wettbewerben zu stellen.

Die Preise liegen aber schon etwas zurück. Wir haben diese Preise jetzt nicht als "THE EARLY FOLK BAND" bekommen, sondern das sind Preise, die die einzelnen Mitglieder der Gruppe in vielen verschiedenen Formationen bekommen haben.

Wir stellen uns dem schon lange nicht mehr. Was die Wettbewerbe angeht, gehört die Bühne jetzt den Jüngeren. Mit dem Gewinn eines solchen Preises entwickelt sich meistens eine gewisse Eigendynamik und die Chancen, dass man gebucht wird, erhöhen sich natürlich.
Irgendwann gerät das aber wieder in Vergessenheit.
Man kann aber immer wieder darauf aufmerksam machen, dass man diese Anerkennung einmal bekommen hat. Klappern gehört zum Handwerk.
Nach eurer ersten CD "Northlands", die bei deinem Label ahalani-records, einem Independent fairtrade Label in Süddeutschland, erschienen ist und ein voller Erfolg war, nehmt ihr im November dieses Jahres in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandradio Kultur eure zweite CD "A true Tale of Robin Hood" auf.
Erwarten uns wieder großartige Balladen und alte Musik aus den nordischen Ländern?
Ja, wir haben uns sehr große Mühe gegeben. Diesmal werden es, außer einer Ballade aus Amerika, alles englische Balladen sein. Die Musik stammt aus der Region, in der Robin Hood gelebt hat.

Gestorben ist Robin Hood ja angeblich 1198 und es gab schon im Mittelalter zahlreiche Balladen über sein abenteuerliches Leben und sogar ganze Robin Hood Schauspiele.
Aber wir haben beschlossen uns auf einen Zeitraum zu beschränken und haben uns auf die Balladen und Instrumentalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts konzentriert, um einen einheitlichen Stil zu entwickeln.
Den Titel der CD haben wir jetzt aber geändert. Wir nennen sie nun nur "Robin Hood".>
Wie viele Konzerte gebt ihr im Jahr?
Es könnten wirklich mehr Konzerte sein. Unsere Schwierigkeit ist zur Zeit, dass wir oft lange Strecken zu unseren Auftritten zurücklegen müssen. Wir kommen alle aus verschiedenen Ländern und da sind die Reisekosten oft höher, als die Honorare, die wir dort einstreichen.

Was uns noch fehlt ist ein Management, das uns versucht Anschlussgigs zu organisieren, damit wir mal eine richtige Tour machen können.

Dass wir zweimal im Jahr auf große Tournee gehen, wäre ein großer Traum von uns.
Engagierst du dich neben deiner Arbeit auch für soziale Projekte?
Ich bin kein aktives Mitglied eines sozialen Vereins, da mir die auch nicht so liegen. Ich stecke immer 10 % von jeder meiner Konzertgagen in mein kleines Sparschwein und einmal im Jahr überlege ich mir, wem ich es zu Gute kommen lasse.

Das kann auch eine Privatperson sein, die in finanzielle Not gekommen ist. Das ist eine gute Frage. Ich habe meine Liebe zu der Fotografie wieder entdeckt. Bilder am Computer zu bearbeiten bringt mir auch sehr viel Spaß, das ist sehr kreativ. Doch passiert es mir immer wieder, daß ich diese Fähigkeiten dann auch schnell beruflich einsetze. Jetzt mache ich u.a. unsere CD-Cover selbst. Kann man da noch von Hobby sprechen? Und natürlich verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie, so dass mich mein Leben sehr fordert, aber auch ausfüllt.
Hast du schon einmal den FREIeBÜRGER gekauft?
Na klar. Immer! Ich lese selten Zeitungen, weil es mir schwer fällt, den Tag mit den ganzen Negativmeldungen und dieser Gehirnwäsche anzufangen. Das fällt mir sehr schwer. Ich habe das Gefühl, dass ich durch das Lesen des FREIeBÜRGER weiß, was in Freiburg so läuft.

Ich finde diese lokalen Informationen unheimlich wichtig und vieles entspricht auch meiner humanen und sozialen Einstellung. Viele von den Artikeln finde ich total gelungen und einfach nur klasse. Da muss ich euch ein Kompliment machen.
Vielen Dank für dieses interessante Interview mit dir. Ich freue mich, dass du ein Fan vom FREIeBÜRGER bist und danke dir für dein großes Lob.

Viel Erfolg mit eurer neuen CD "Robin Hood" und viel Glück bei der Suche eines geeigneten Managements, das eure schon lang hinfällige Tournee organisiert.

Ekki




Ausgabe November 2013

Doppelausgabe Dieser Artikel von Ekki steht in der Novemberausgabe 2013


THE EARLY FOLK BAND

folkmusic Miriam Andersén
- Gesang, gotische Harfe, Bones
Gesine Bänfer
- Northumbrian Smallpipes, Whistles, Hackbrett, Rahmentrommel, Cister, Gesang
Susanne Ansorg
- Fidel, Tamburello, Gesang
Ian Harrison
- Northumbrian Smallpipes, Whistles, gotische Harfe, Fidel, Gesang
Steve Player
- Renaissancegitarre, historischer Tanz, Gesang