Ausgabe
Februar 2013

Doppelausgabe


Dieser Artikel von Micky steht in der Ausgabe Februar 2013



FASNETMUSEUM

  • Turmstrasse 1,4
  • 79098 Freiburg
  • Geöffnet ganzjährig samstags von 10 bis 14 Uhr
  • Zur Fastnachtszeit ist täglich geöffnet
  • Führungen für Gruppen, Schulklassen und Kindergärten jederzeit nach Vereinbarung.
  • Info und Anmeldung unter: Telefon: 0761 / 50 81 43
  • E-Mail:
    fasnetmuseum "at" breisgauer-narrenzunft.de




NARREN, HEXEN, TIERGESTALTEN



Ursprünge der Fastnacht

Schon seit dem Mittelalter ist die Fastnacht ein Kirchenfest, das immer fest in den Jahresablauf eingebunden ist. Vor der entbehrungsreichen Fastenzeit mit ihren zahlreichen Ge- und Verboten lagen die Fastnachtstage, an denen man die Triebe ein letztes Mal ausleben konnte. Der Begriff „Fast-nacht“ meint den Tag vor Beginn der Fastenzeit.

Fasnet

In Freiburg wurde die Fastnacht 1283 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Über die damaligen Bräuche der Fastnacht wissen wir allerdings wenig, denn über Selbstverständliches wurde nicht berichtet. Nur wenn das wüste Treiben aus dem Ruder lief, wurde es aktenkundig.

Deshalb ist überliefert, dass auch in Freiburg zu dieser Zeit Fastnachtspiele, Brunnetragen, Küchleinheischen, Maskentreiben, Narrenmessen und andere Aktivitäten stattfanden. Die Kirche baute die Fastnacht in ihren Festkreis ein und integrierte so auch vorchristliche Brauchtumsformen, die sich in der Bevölkerung nicht ausrotten ließen.
Dabei machte sie sich diese für ihre Zwecke dienstbar. Theologisch sah man das ausgedehnte Fressen und Saufen, die Verkleidungen, sogar die sexuellen Ausschweifungen als Spiel: In der Fastnacht soll eine Welt vorgeführt werden, welche vom Teufel oder vom Antichrist regiert wird.

Nicht einfach als Anlass für ungezügeltes Tun, sondern als warnendes Beispiel vor der Fastenzeit, die ja auf das Gedenken an den Tod und die Auferstehung Jesus Christus an Ostern vorbereiten soll.

Auch in der heutigen Freiburger Fasnet gibt es noch die Tradition der Teufelsanrufung: Die Narrenzunft der Fasnetrufer hat in den 1930er Jahren den alten Taganruferspruch aus Wolfach übernommen und verkündet seither am Fasnetsmendig, dass „Im Namen des Herrn Entechrist (=Antichrist) der Narrotag erschienen ist.“ bei der Belegschaft.

Auch der „Münsternarr“, eine nach 1500 als Wasserspeier am Chor des Münsters angebrachte Skulptur, verweist auf einen theologischen Zusammenhang. Ursprünglich gehörte die Figur des Narren nicht zur Fastnacht.
Der Narr taucht in Psalmenillustrationen als Gottesleugner auf
(Psalm 52: „Es spricht der Narr in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott!“).

Aus diesen Bildern entwickelte sich allmählich die allseits bekannte Gestalt des „Standardnarren“, mit Eselsohrenkappe, Hahnenkamm und Schellen. Hinzu kam das so genannte „Mi-Parti“, ein farbig geteiltes Gewand, welches meist in den Farben gelb und rot gestaltet war. In der mittelalterlichen Kunst sind dies die Farben der Huren und der Juden, in letzterem Fall nach zeitgenössischer Auffassung also wiederum die der Gottesleugner.

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Der Humanist Sebastian Brandt führt in seiner „uf die fasnacht“ 1494 in Basel erschienen, berühmten Moralsatire „Das Narrenschiff“ den Menschen ihre Sünden und Unzulänglichkeiten in Gestalt eines Reigen von über 100 Narren vor.

Als Sünder und Gottesleugner steht der Narr auf Seiten des Teufels und des Antichristen. Und damit erhielt er seinen Platz im Fastnachtsbrauch, der ja spielerisch die „civitas diaboli“ als teuflische Gegenwelt zur „civitas dei“ – der Gesellschaft Gottes – darstellen sollte.

Zum Standardnarren gehört die „Marotte“, das Narrenzepter, das mit seinem eigenen Gesicht versehen ein Ausdruck der Selbstverliebtheit ist. Das gilt auch für den Spiegel, in dem sich der Narr betrachtet. Die Eselsohren stehen für die geistige Trägheit der Narren, der Hahnenkamm für seine Triebhaftigkeit, die Schellen wiederum für seine Lieblosigkeit Gott, den Menschen und letztendlich sich selbst gegenüber.

FREIBURGER FASTNACHT IN DER FRÜHEN NEUZEIT

Seit dem 16. Jahrhundert sind für Freiburg auch die in anderen oberrheinischen Städten belegten Fastnachtsbräuche urkundlich überliefert.

Meist in Form von Verboten, die ausgesprochen wurden, wenn ein Brauch zu intensiv oder außerhalb der festgelegten Zeit ausgelebt wurde. Fastnacht machen nach Beginn der Fastenzeit wurde sowohl von kirchlicher wie auch weltlicher Seite streng geahndet. Im Jahr 1496 wurde des „kanzlers karreknecht“ wegen eines „fasnachtsspiehls“ in den Turm geworfen.

Anscheinend hat er es übertrieben, über die Art des Spiels wird leider nichts berichtet.

FASNACHTSBRÄUCHE IN FREIBURG

Alle Gesellschaftsschichten machten Fastnacht auf ihre Art. Gefeiert wurde in den Trinkstuben der Zünfte oder in der vornehmen Gesellschaft „Zum Gauch“. Fastnacht machten die Handwerksgesellen ebenso wie die Studenten, später auch die Zöglinge im Jesuitenkolleg.

Es gab Trinkgelage und Fastnachtstänze, so bereits 1550 einen „Schwerttanz“ und 1753 sowie 1755 ein „Bändelspihl“. Im Jesuitenkolleg findet im 17. Jahrhundert ein Fasnachtsspiel statt, welches den „Kampf der Fastnacht mit der Fastenzeit“ darstellte. Die Studenten richteten „Narrenkönigreiche“ aus und wählten einen „Weinkönig“ Unbeliebte Professoren und Bürger wurden mit „Katzenmusiken“ bedacht. Häufig wurden kirchliche Zeremonien parodiert: Im Jahre 1546 taufte ein Magister eine gebratene Gans. Seit dem Jahr 1539 war für Freiburg der Brauch des „Brunnentragen“ belegt, bei dem der Narr als Symbol der Fastnacht in einem Brunnen versenkt wird.

DIE BREISGAUER NARRENZUNFT

Am Anfang der 1930er Jahre galten immer noch Beschränkungen für das „öffentliche Fastnachtstreiben“, von denen nur „historische“ Zünfte ausgenommen waren. Deshalb orientierte man sich nun mehr an dem alemannischen Brauchtum, das eigentlich hier in Freiburg nie heimisch gewesen ist. Ziel war es, die Freiburger Fastnacht auf eine breitere Basis zu stellen und in eine Form zu bringen, die von der Obrigkeit akzeptiert wird.

Waage

So kam es am 13. April 1934 zur Gründung der „Breisgauer Narrenzunft“ (BNZ). Die BNZ wollte die Freiburger Fastnacht als brauchtumsorientierte alemannische Fasnet organisieren, wobei sie karnevalistische Elemente wie den Elferrat, den Rosenmontagsumzug oder die Kappensitzung von den „Vorgängerorganisationen“ „Freiburger Carnevalsverein“ von 1888 und der „Großen Karnevalsgesellschaft“ von 1927 übernommen hat.

Die Narrenfigur mit Häs und Holzmaske wurde in der BNZ zur wichtigsten Figur der „Friburger Fasnet“. Am 17. November 1934 wurde das „Flecklehäs“ vorgestellt und am 4. März 1935 zogen sieben damals noch maskenlose Hästräger als „Taganrufer“ durch die Stadt.

Das Häs bestand aus einem „blauen Toni“, auf den aus alten Kleidern und Stoffresten herzförmig ausgeschnittenen „Fleckle“ aufgenäht sind.

Dieses Häs entspricht alemannischer Tradition. Dessen Aussehen und Beschaffenheit soll auf ein altes Fastnachtsgewand zurückgehen, das man auf einem Speicher in der Freiburger Altstadt gefunden hatte. 1936 wurde das Häs dann durch eine Lindenholzmaske ergänzt. Diese wurde vom Bildhauer Franz Spiegelhalter entworfen und geschnitzt. Spiegelhalter wurde auch zum Schöpfer weiterer Masken, so stammen z.B. die der „Blaue Narren“ und der „Herdermer Lalli“ ebenfalls aus seiner Werkstatt.

Die „Fasnetrufer“ (ursprünglich „Taganrufer), die „Herdermer Lalli“ und die „Blaue Narren“ sind die Erznarren des BNZ, die zusammen das „Narrendreigestirn“ des BNZ-Enblems bilden.

Aus der seit dem 19. Jahrhundert etablierten Struktur der Vereinsfastnachten sollte nun in jedem Stadtteil ein „Narrennest“ mit eigener Ausprägung entstehen. Deshalb rief man die Fastnachtsabteilungen der Vereine, Stammtische und anderen geselligen Gruppen zum Mitmachen auf.

Am Gemeinwesen des Mittelalters orientierte man sich bei der Benennung der einzelnen Funktionen: Die Narrennester heißen „Zünfte“, die jeweils vom „Zunftvogt“ geführt werden. An der Spitze der BNZ steht der „Oberzunftmeister“, der wiederum vom „Seneschall“ oder „Zunftmeister“ unterstützt wird. Für finanzielle Angelegenheiten ist der „Säckelmeister“ zuständig, die Zunftleitungen werden durch den „Obristzunftvogt“ vertreten.

Waage

BNZ HEUTE

Die Breisgauer Narrenzunft Freiburg e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, unter dem als Dachorganisation die Zünfte der einzelnen Stadtteile vereinigt sind.

Heute besteht die Breisgauer Narrenzunft aus 34 Zünften und deren Untergliederungen sowie dem Herrenelferrat, der das repräsentative Organ der BNZ ist.

Der BNZ hat heute fast 2000 Mitglieder. Darunter sind auch 456 Narresome, Kinder bis 16 Jahre.

PROTEKTORATSÜBERGABE

In der Woche nach der Fasneteröffnung wird die Schirmherrschaft über die Fasnet an den Oberbürgermeister übergeben. Eine der Freiburger Zünfte übernimmt diese feierliche Protektoratsübergabe.

Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens fällt diese Aufgabe 2013 den „Freiburger Hexen“ zu. Diese Zunft ziert dieses Jahr auch die Fastnachtsplakete und den Jahresorden der BNZ. Grund genug, näher auf die Narrenzunft der „Friburger Hexen“ einzugehen:

Die erste Freiburger Hexenzunft wurde im Jahre 1963 gegründet. Bei der Wahl der Hexenfigur berief man sich auf eine heimatliche Sage, nach der sich am Nägelesee und im Gewann Rotlaub früher die Hexen trafen, um gemeinsam zu tanzen und sich zum Flug auf den nahe gelegenen Kandel zu sammeln.

Waage

Die „Friburger Hexen“ tragen eine stilisierte Märchentracht mit roter Gugelhaube, grünem Schnürmieder, weißen, knielangen Spitzenunterhosen unter dem schwarzen Rock, roten gestrickten Strümpfen und geflochtenen Strohschuhen. Bei der Holzmaske fallen besonders die lange, gebogene Nase und die dreieckigen Katzenaugen auf

. Eine rote Gugel bedeckt den Hinterkopf, links und rechts umrahmen Zöpfe die Holzmaske.

Angeführt werden die Hexen durch die Einzelfigur des Teufels, dieser trägt eine Holzmaske mit dreieckigen Katzenaugen, Hörnern auf dem Kopf und Hauer, die links und rechts aus dem Mund ragen.

Der oberste Hexenmeister trägt eine schwarze Jacke aus Bergschaffellen und eine mit schwarzen Fleckle benähte Hose. An den Füßen hat er ebenfalls Strohschuhe.

Er führte eine mehrzinkige Holzgabel mit sich. Zu den Bräuchen der „Friburger Hexen“ gehört ein eindrucksvoller Hexentanz. Bei der Strooßefasnet wenden sie sich mit zahlreichen Aktionen (Zuckerwatte, Mohrenkopf-Katapult…) besonders an die Kinder, denen so auch die Angst vor den Schreckmasken genommen werden soll.

ZUNFTHAUS DER NARREN

In der Turmstraße 14 in der Nähe des Freiburger Rathauses steht das Zunfthaus der Narren. In dem spätmittelalterlichen Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert, dem „Haus von Grünen Jaspis“, befinden sich das Fasnetmuseum und die Zunftstube des BNZ

Seit dem 11.11.1978 steht das Gebäude dem BNZ zur Verfügung. Seit 1979 ist das Fasnetmuseum im zweiten und dritten Stockwerk des Zunfthauses untergebracht. Hier findet man hauptsächlich Informationen über die Fasnet in Freiburg, fast alle Narrentypen der Freiburger Fasnet sind hier ausgestellt.

Liebevoll arrangiert durch die einzelnen Zünfte, erwarten den Besucher die Figuren der Freiburger Fasnet in originalen Kostümen und ihren aus Holz geschnitzten Masken. Leihgaben aus dem Augustinermuseum und zahlreiche Exponate, die der Förderverein des Museums angekauft hat, sind ebenfalls ausgestellt.

Darunter befinden sich auch wertvolle Einzelstücke wie barocke Narroschemmen von der Baar oder zwei der ältesten bekannten Schuddiglarven aus Elzach. Auch zahlreiche Objekte der karnevalistischen Wurzeln der BNZ sind zu sehen. Im Jahr 2004 konnte das Museum um zwei Räume im Nachbarhaus Turmstraße 12 erweitert werden, hier findet man nun zahlreiche neue und historische Kostüme aus Schwarzwald oder Schwaben, der Schweiz oder Tirol.

 

Museum

FASNETMUSEUM

  • Turmstrasse 1,4
  • 79098 Freiburg
  • Geöffnet ganzjährig samstags von 10 bis 14 Uhr
  • Zur Fastnachtszeit ist täglich geöffnet
  • Führungen für Gruppen, Schulklassen und Kindergärten jederzeit nach Vereinbarung.
  • Info und Anmeldung unter: Telefon: 0761 / 50 81 43
  • E-Mail: fasnetmuseum "at" breisgauer-narrenzunft.de

Mitglied beim Oberrheinischen Museumspass.

Die Zunftstube hat ein sehr rustikales Ambiete mit schweren Holztischen und einer niedrigen Decke mit Holzbalken.

Sie wurde 1977 eröffnet und wird besonders an Fasnet, aber auch ganzjährig als Treffpunkt der Narren genutzt.

Auch Vereinssitzungen und Versammlungen werden hier abgehalten. Für Feierlichkeiten kann man die Zunftstube anmieten.

 

 

ZUNFTSTUBE DER NARREN

  • Turmstrasse 14
  • 79098 Freiburg
  • Geöffnet ganzjährig samstags von 10 bis 14 Uhr jederzeit nach Vereinbarung.
  • Info und Anmeldung unter: Telefon: 0761 / 22 6 11
  • Email: zunftstube "at" breisgauer-narrenzunft.de

Mehr über die Freiburger Fasnet, die BNZ,
über die einzelnen Zünfte und über die Fasnetveranstaltungen 2013 unter www.breisgauer-narrenzunft.de

Text & Fotos Micky