ANDERS LEBEN UND WOHNEN!

ALTERNATIVE LEBENSWEISEN,
WOHNKONZEPTE UND GEMEINSCHAFTEN ANDERS LEBEN UND WOHNEN!

ZeltIch, Oliver, sitze hier an meinem Schreibtisch in der Redaktion des FREIeBÜRGER im Stadtteil Stühlinger mit Blick auf den Stühlinger Kirchplatz.

Die ehemalige Wohnung wurde zu Redaktionsräumen umgestaltet, und ich sitze hier und denke mir, nur zu gerne hätte ich diese Räumlichkeiten als meine Privatwohnung.

Aber das ist utopisch, von Jahr zu Jahr steigen die Miet- und Nebenkosten, auch Strom und Gas wird teurer, also ist es wahrscheinlich, dass ich mich, was eine Wohnung angeht, eher verkleinern muss als vergrößern.


Gibt es denn Möglichkeiten, günstiger zu wohnen, gibt es andere Wohnkonzepte, die eventuell günstiger sind, und zudem auch noch eine Lebensqualitätssteigerung mit sich bringen? Aussteigen?

Darüber hat vielleicht schon jeder einmal, oder auch mehrere Male, nachgedacht. Doch nur Wenige sind es, die es wirklich tun. Sind die glücklich? Wer der bürgerlichen Welt den Rücken kehrt, wer einfach leben will und selbstbestimmt, wer also anders denkt, der wird von denen, die zurückbleiben schnell als weltfremd, fanatisch, faul oder wahnsinnig abgetan. Aber warum?
Aus Angst vor diesem Anderssein? Oder aus Neid, weil diesen Menschen Wohlstand und Konsum nichts bedeutet? Alternative Lebensformen und Wohnkonzepte gewinnen wieder an Aktualität.

In den Siebzigerjahren war die Aussteigerbewegung eine romantische Jugendkultur in einem satten Land, heute sind die Gründe für die Suche nach einem einfacheren Leben andere: Das Wachstum gewinnt an Geschwindigkeit, die Menschen müssen Kompromisse eingehen, wenn sie von ihrem Einkommen noch so gut leben wollen, wie sie es gewohnt sind. Sie müssen Mobilität versprechen, Überstunden machen, auf Familie und freie Zeit verzichten. Die Entfremdung nimmt zu.

Ich bin es mal wieder, der Oliver, und dieses Mal möchte ich informieren über alternative Lebensweisen, Lebensmodelle und Wohnkonzepte. Sich seinen ganz persönlichen Wohn-traum erfüllen abseits jeglicher Baunorm. Als ich noch Student war, da wollte ich mit coolen Leuten in einer WG wohnen, freies Lebensgefühl leben und tun und lassen, was ich möchte, sich endlich von den Eltern und deren Lebensweise abnabeln.

Ja, hier und heute kann ich sagen, dass ich selbst so einige Lebens- und Wohnmodelle ausprobiert habe in den letzten fünfundzwanzig Jahren, aber die große Vielfalt an Möglichkeiten, die es heute gibt, hatte ich zu meiner Studentenzeit nicht.

Heute könnte ich mir auch vorstellen, in einer Kommune am Stadtrand zu leben mit vielen unterschiedlichen Menschen verschiedenster Kulturen, Familien mit Kindern, vielen Tieren in einem großen Haus mit großem Garten und einigen Gemeinschaftsräumen.

Mir persönlich wichtig wäre, dass jeder seinen eigenen abgeschlossenen Wohn-bereich hat, um seine Privatsphäre zu haben, wenn man sie braucht. Ich habe oftmals keine Lust mehr in einer mechanisierten Welt zu leben, voller Arbeit und Dummheit.

Alternative Lebensformen finde ich persönlich erstrebenswert, auch will ich mein Potenzial in diesem Leben verwirklichen. Sicherlich sind auch die Kommunen in irgendeiner Weise organisiert, doch denke ich mal, dass dort die Betonung mehr auf Selbstverwirklichung liegt.

Einige Wohn- und Lebensmodelle möchte ich hier mal vorstellen. Viel Spaß beim Lesen! Retten alternative Lebensweisen die Welt? Immer mehr Menschen setzen auf „alternative Lebensmodelle“. Soziologen haben festgestellt, dass im Alltagshandeln der Deutschen die Suche nach dem ganz persönlichen Beitrag zu Klimaschutz, Ressourcen- Schonung und fairem Teilen mit den Schwachen zunehmend mitschwingt.

Studenten leben in Seniorenheimen, alte Menschen in WGs, andere verzichten auf das Auto vor der Tür. Fenster putzen, Rasen mähen, Einkaufstüten tragen – und dafür die Miete sparen.

In zahlreichen Städten gibt es mittlerweile Projekte, um alte und junge Menschen unter ein Dach zu bringen. Wohnen für Mithilfe nennt sich die alternative Lebensform. Sie eignet sich vor allem für Menschen, die alleine in einer großen Wohnung leben, mit vielen ungenutzten Zimmern, oder für Hauseigentümer, die über eine leerstehende Einliegerwohnung verfügen und diese samt Grundstück nicht mehr bewirtschaften können.

Für Studenten heißt das, bei diesem Projekt pro Quadratmeter Wohnraum eine Stunde Arbeit im Monat. Wer also Einkäufe erledigt, seinen älteren Vermieter zum Arzt fährt oder im Garten oder bei Hausarbeiten hilft, spart sich einen Teil der Miete oder wohnt komplett umsonst.

Nur die Nebenkosten müssen bezahlt werden. Studenten im Seniorenheim ist ein Projekt hier in Freiburg, dort leben Studenten in einem Seniorenheim, und bezahlen nur zweihundert Euro Miete plus Nebenkosten für ein Ein-Zimmer-Appartement.

Dieses Projekt ist mit einem Ehrenamtlichen Engagement verknüpft:
Etwa fünf Stunden pro Woche sind die Studierenden für die Senioren da, zeigen der Generation 80- plus zum Beispiel wie Facebook funktioniert, helfen im Haushalt oder organisieren Arzttermine.

Bei Autofreiem Wohnen ist die Grundidee eine denkbar einfache. Man fasst Menschen in einem Gebiet zusammen, die dauerhaft ohne eigenes Auto leben wollen. Das gemeinsame Leben in einem familien- und umweltfreundlichen Umfeld.

Da keine Stellplätze für Autos gebaut werden müssen, haben die Bewohner viel Geld und auch Platz gespart. Statt einer Tiefgarage kann man großzügige Unterbringungsmöglichkeiten für Fahrräder und Anhänger, einen gemeinschaftlichen Garten mit Spielgeräten, zahlreiche Gemeinschaftsräume (z.B. Tischtennisraum, Kinderspielkeller oder eine Holzwerkstatt) schaffen.

Ein Leben ohne Autolärm und Abgase ist ja in der heutigen Zeit kaum mehr vorstellbar. Und wie wäre es denn, wenn man seine Oma nicht im Altersheim besuchen muss, weil sie in einer lustigen Senioren-WG lebt? Super Lösung für alle, die das Altersheim fürchten. Viele Senioren können aus Altersgründen nicht mehr in ihrem vertrauten Zuhause bleiben, und wagen das Experiment einer Wohn- oder Hausgemeinschaft.

Die Senioren-WG ist natürlich komfortabler als eine Studenten- WG, zum Beispiel hat jeder Bewohner sein eigenes Bad. Die Räume sind meist behindertengerecht ausgestattet. Einkaufen? Wäsche waschen? Das erledigen die Bewohner selbst. Dem Schwächsten in der Gemeinschaft wird dabei von den anderen geholfen.

Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto vieler Senioren-WGs. Damit die Senioren unabhängig sein können, gibt es aber auch gewisse Hilfen, die man sich von außen holt. Zum Beispiel ein ambulanter Pflegedienst, der nach dem Rechten sieht und die medizinische Versorgung übernimmt.

Das ist auch wichtig, denn in einer Alters-WG kommt es auf den richtigen Mix zwischen Selbstständigkeit und Unterstützung an, damit alles bestens funktioniert.

Oder wie wäre es damit, in einem Öko-Dorf zu leben in einer Ökogemeinschaft? Hört sich schlimmer an als es ist! Ein Ökodorf ist eine Dorfgemeinschaft oder eine Lebensgemeinschaft, die mit einer gemeinsamen Absicht gegründet wird.

Die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Wirtschaft, Soziales und Weltsicht – sind zu einem ganzheitlichen Ansatz integriert. Die Kraft menschlicher Gemeinschaften, sich zusammenzuschließen und gemeinsam ihren Weg in die Zukunft zu gestalten, wird als wichtige Triebkraft für positiven Wandel gesehen.

Die guten Absichten und die Kreativität der Bürger sowie ihre Bereitschaft, einen Unterschied zu machen, ist eine der am wenigsten genutzten Ressourcen über die wir heute verfügen. Ökodorfprojekte zeigen, dass es im Rahmen unserer Möglichkeiten und unseres Wissens liegt, bewusst die Umwelt, in der wir leben, zu verbessern und zu stärken.

Ökodörfer werden gestaltet durch Mitwirkung all ihrer Bewohner. Ein Ökodorf trägt dazu bei, die umliegende Natur nicht nur zu schützen, sondern sogar zu regenerieren, und es verbessert die Lebensqualität der Menschen. Eine Gemeinschaft, die anders leben möchte im Einklang mit der Natur.

Autonomer, umweltfreundlicher, friedlicher und menschlicher. Zum Beispiel in einem Baumhaus mitten im Wald. Ökodörfer sind ein Lösungsansatz für die größten Probleme unserer Zeit – der Planet erfährt die Grenzen des Wachstums und unsere Leben lassen oft Bedeutung und Sinn vermissen. Wissenschaftlern zufolge müssen wir lernen nachhaltiger zu leben, wenn wir als Spezies überleben wollen.

Durch ihren Anspruch, Lebensstile zu praktizieren, die „erfolgreich in die unbegrenzte Zukunft fortführbar“ sind, sind Ökodörfer Modelle gelebter Nachhaltigkeit und Beispiel dafür, wie unmittelbar gehandelt werden kann. Sie repräsentieren einen effektiven, zugänglichen Weg, um dem Abbau unserer sozialen und ökologischen Umwelt entgegenzutreten. Bei der nächsten alternativen Lebensweise, die ich vorstellen möchte, sagt der Begriff Mehrgenerationenhäuser schon das meiste aus.

Die meisten Mehrgenerationen-Häuser haben das Ziel, alle vier Lebensalter unter einem Dach zu vereinen. Menschen verschiedener Generationen sollen gemeinsam Zeit miteinander verbringen, miteinander sprechen und sich gegenseitig helfen bei den kleinen und großen Alltagssorgen. Jeder kann seine Fähigkeiten einbringen. Wer möchte, kann einfach nur vorbei kommen und plaudern. Andere packen aktiv mit an (unter anderem Altenpflegeservice und Kinderbetreuung etc.).

Der Wunsch, mehr Nachbarschaft zu leben, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, ist allen wichtig. Auch mit anderen etwas zu unternehmen und zu gestalten. Jeder kann sich einbringen, je nach Interesse und Kompetenz, zum Wohl der Gemeinschaft. Das Leben soll leichter und schöner werden, und über allem steht das Motto „Gemeinsam können, aber nicht müssen“.

Ich habe in meinem Leben Zeiten gehabt, wo ich gut verdient habe, in einer großen Wohnung gelebt habe, mehrmals im Jahr in Urlaub geflogen bin und auch viel zu viel Geld für Unnötiges ausgegeben habe. Auch gab es Zeiten, wo ich wenig Geld zum Leben hatte, in einer Miniwohnung gelebt habe und froh war, Geld für das Überlebensnotwendigste zu haben.

Umso älter ich werde, desto öfter merke ich, dass, umso „einfacher“ ich lebe, umso wohler und freier fühle ich mich. Simple Living, vielleicht besser übersetzt mit „Freiwilliger Einfachheit“, hat nichts mit Armut, Besitzlosigkeit oder anderen schrecklichen Dingen zu tun. Es geht darum, zu erfahren, was genug für einen selbst ist. Was genug ist, hängt eng mit den Werten zusammen, die für einen wichtig sind.

Nach Werten richtet sich der Lebensstil, zum Beispiel der Umgang mit Geld, Konsum, Arbeit und so weiter. Das Spektrum richtet sich vom Totalaussteiger bis hin zum Konsumieren mit Nachhaltigkeit.

Eine weitere Form des Simple Living ist das Leben im Bauwagen, leben in einer Wagenburg. Oftmals ist es wohl ein innerer Drang nach Freiheit, dem Leben in der Natur, hauptsache weg aus der Großstadt und „Back to the Roots“.

Dann doch lieber im Wald leben in einem engen Bauwagen, manchmal anfänglich sogar ohne Strom und fließend Wasser. Irgendwie auf seine Art auch ein hartes Leben, aber von den meisten ja selbst bestimmt. Bei jedem Wetter draußen ist bestimmt nicht einfach. Ich denke im ersten Winter entscheidet sich, wer so leben kann.

Minimalistisch Leben heißt, mit möglichst wenig Gegenständen zu leben. Es geht aber auch darum, Raum für Ideen zu schaffen. Das ist auch ein Konzept, das mir zusagt. Ich bin selbst ungefähr fünfzehnmal umgezogen, und jedes Mal entrümpelt man, trennt sich von altem Ballast, um neuen Raum zu schaffen.

Je weniger man besitzt, umso weniger Ablenkung hat man. Das Zuhause zu entrümpeln, befreit den Geist. Minimalismus führt zu einem einfachen und fokussiertem Leben. Das Wenige, das man besitzt, hat seinen Platz, und es wird keine Zeit damit verschwendet, Dinge zu suchen. Es geht von der äußeren zur inneren Ordnung.

Man wird ausgeglichener, ruhiger, kann sich besser konzentrieren und anders arbeiten. Wer sich Minimalist nennt, will in der Regel mehr ändern als nur die Einrichtung seiner Wohnung. Nachhaltigkeit, Konsumkritik, ein alternativer Lebensstil, das alles spielt eine Rolle. Es wird viel hinterfragt, zum Beispiel welche Sachen man wirklich braucht und welche nicht.

Es geht nicht darum, zwanghaft Dinge loszuwerden oder einfach aufzuräumen, sondern darum, etwas loszulassen, um sich wichtigeren Dingen zuzuwenden. Dieser Gedanke macht den Minimalismus für Viele so interessant. So, zum Schluss noch etwas für die Spirituellen Zeitgenossen. Wohnen mit Feng Shui.

Feng Shui ist die Lehre von der gegenseitigen Beeinflussung und Harmonisierung von Menschen und ihrer Umgebung. Feng Shui hat seinen Ursprung in China, und ist eine über 3500 Jahre alte Wissenschaft, die sich mit den Einflüssen von Natur und Umwelt auf den Menschen und sein Verhalten beschäftigt.

Je nachdem, wo der Mensch lebte, musste er sich an die Gegebenheiten anpassen. Menschen, die in einem engen Tal umgeben von hohen Bergen leben und arbeiten, entwickeln andere Einstellungen und Verhaltensweisen als Menschen, die in einer südlichen Hafenstadt ihren Lebensmittelpunkt haben.

Vielleicht hat sich der eine oder andere von Euch schon einmal gefragt, ob Feng Shui an einen bestimmten Einrichtungsstil gebunden ist. Da Feng Shui aus China kommt, wäre es beispielsweise nahe liegend anzunehmen, ein „Feng Shui Wohnzimmer“ müsste wohnstilistisch irgendwie asiatisch aussehen.

Um es vorweg zu nehmen: Feng Shui ist kein Wohn- oder Einrichtungsstil, noch geht Feng Shui zwangsläufig mit einer fernöstlichen Wohnungsdekoration einher. Feng Shui lässt sich mit jedem Einrichtungsstil, egal ob Shabby Chick, Pop Art oder anderen Stilrichtungen umsetzen.

Die Aufgabe des Feng Shui ist es, in jedem Umfeld die Harmonie zwischen den Menschen und ihrer Umgebung herzustellen. Leben in Harmonie bedeutet Gesundheit, Wohlbefinden, beruflichen Erfolg, persönliches Glück und spirituelles Wachstum. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, die für uns positiven Kräfte zu stärken, die negativen Kräfte zu meiden, und die Harmonie der Fünf Elemente herzustellen.

Wörtlich übersetzt bedeutet Feng Shui ,Wind und Wasser‘ und bezieht sich damit auf die Erde, auf ihre Berge, Täler und Wasserläufe, deren Form und Größe, Ausrichtung und Höhe von der Wechselwirkung mächtiger Naturkräfte bestimmt werden.

Feng Shui ist ein Verfahren zur Lebensgestaltung. Am besten lässt es sich beschreiben als die Wissenschaft der Auswahl und Gestaltung des Umfelds, die nach einem völligen harmonischen Gleichgewicht der Fünf Elemente sowie der Yin und Yang Energien strebt.

Wer in einer derartigen Umwelt lebt, wird ein angenehmes Leben in Harmonie führen. Ich wünsche Jedem, seine individuelle Lebensweise zu finden und zu leben, und damit verbunden sein persönliches Glück.

Euer Oliver

Juni 2014

Dieser Artikel von Oliver
steht in der Maiausgabe 2014



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