Wie komme ich zu 1234rock?

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Dezember 2011

Dieser Artikel steht in der Dezemberausgabe 2011



INTERVIEW MIT UNSEREM STRICHMÄNNCHENPRODUZENTEN


Da dies das erste Interview für mich war, habe ich als Ort die Küche und als Tätigkeit Kartoffelschälen gewählt.
Es ist ja aus Alfred Bioleks Kochsendung bekannt, dass die Küche im Allgemeinen und die Tätigkeit Kochen in der Regel
eine sehr kommunikative Kombination sein kann. Außerdem minderte dies mein Lampenfieber.
Das Interview führte Tim Rocketrocker (Ex-Leopold Kraus Wellenkapeller) für den FREIeBÜRGER.

Waage Das Interview führte Tim Rocketrocker
(Ex-Leopold Kraus Wellenkapeller)

Vielleicht stellst Du Dich erst mal vor.

Ich nenn mich 1234rock, wurde aber auf den Namen Dirk Spannagel getauft. Bin nun beschämende 37 Jahre alt, wovon ich 10 Jahre in Freiburg Soziologie und Politikwissenschaften langzeitstudiert habe.

Vorher war ich vor allem mit dem zweiten Bildungsweg beschäftigt: Hauptschule, Metzgerlehre, Realschule, Gymnasium.

Wie kommst Du als Illustrator zu einer Tätigkeit als Autor bei FREIeBÜRGER?

Na, ein richtiger Illustrator bin ich ja eigentlich nicht.
Dazu bin ich zu faul. Ein Bekannter von mir, der die Redaktion kennt,
fand meine Kolumne im inzwischen eingestellten Magazin „Port01/Freiburg“ wohl so ordentlich, dass er mich dem FREIeBÜRGER vorgeschlagen hat. Und die fanden mich auch nicht so fehl am Platz.

Seit wann bist Du denn dabei?

Nun, das wird nun die 4. Ausgabe sein, in der ich dabei sein kann. Bin auch sehr froh darüber. Ich blogge nun schon seit 2005 regelmäßig und finde, dass es an der Zeit ist, auch gedruckt zu sein.

Du wohnst ja mittlerweile im Osten, genauer in Leipzig. Hast aber auch längere Zeit in Freiburg gelebt. Hat es Dir in Freiburg nicht gefallen oder warum bist Du weggezogen?

Doch, Freiburg gefällt mir sehr. Zuerst bin ich der Arbeit wegen weggezogen. Während der erlebnisreichen Zeit in Freiburg hatte ich beschlossen, auch noch einen Abschluss zu machen. Am Tag der letzten Prüfung wurde ich von einem Bio-Catering-Unternehmen angeheuert um eine recht große Ökomesse zu organisieren. Nach den zwei Jahren in Württemberg-Sibirien wollte ich eigentlich wieder zurück nach Freiburg. Leider hab ich da keinen Job gefunden. So hat es mich an den Bodensee verschlagen und ich wurde so eine Art Sozialpädagoge. Wieder zwei Jahre später bin ich dann der Liebe wegen in Leipzig gelandet.

Bereust Du es aus Freiburg weggezogen zu sein?

Die letzten viereinhalb Jahre schon. Seit ich in Leipzig bin, irgendwie nicht mehr. Warum, was ist in Leipzig anders? Na es ist eine Stadt, eine große noch dazu. Die Stationen bisher waren ja eher ländlich geprägt. Leipzig hat auch den Vorteil, dass es viel Leerstand gibt und somit Raum zur Verfügung steht, der wachsen und sich verändern kann. Hier ist nicht alles so fragmentiert wie in Freiburg.
Eine Monatsmiete für ein Ladengeschäft ruiniert einen nicht, und so trauen sich viele Leute etwas auszuprobieren.

Zehn Jahre in einer Stadt ist eine lange Zeit. Wie ist es für Dich, wenn Du daran denkst oder Freiburg besuchst?

Ich fühl mich in Freiburg immer noch zu Hause. Wenn ich im Stühlinger zum Bäcker gehe, kommt es vor, dass man zwei oder drei Bekannte trifft. Das empfinde ich als sehr angenehm und es kommt so was wie ein Heimatgefühl auf.

Deine Kolumne hat ja die Überschrift: Betrachtungen aus dem Exil. Hast Du, dadurch, dass Du lange schon nicht mehr in Freiburg gewohnt hast, einen anderen Blick auf das Treiben dort? Einen anderen Blick, den Du vorher nicht gehabt hast?

Zum Teil vielleicht. Ich war ja schon immer viel unterwegs und dadurch immer ein bisschen draußen. Aus der Entfernung sieht man Dinge immer anders. Ich kenne viele, die in Freiburg kulturell aktiv sind und die Stadt beleben. Dadurch, dass ich nicht mehr da bin, kann ich mich auch nicht engagieren und muss mich mit der Rolle des Beobachters begnügen. Vielleicht bekommt man dadurch eine andere Perspektive. Du bist ja nicht so bekannt als Autor, sondern eher als Illustrator.

Du bezeichnest Dich ja auch als Strichmännchenproduzent. Wie bist Du zum Zeichnen gekommen? Und wie zu Deinem Zeichen-Stil?

Bleistift, Tusche und Papier, viel mehr braucht es nicht, um mich zu befriedigen. Die Bezeichnung Strichmännchenproduzent verwende ich, um dem Ganzen ein bisschen Bodenhaftung zu geben. Im Grunde sind es nur Linien, die so tun, als wären sie eine Figur. Strichmännchen eben. Ich nehme das was ich mache nicht wirklich ernst. Es ist für mich die Ausdrucksform, die mir leicht fällt und die ich schon ewig übe.

Gezeichnet hab ich hoffentlich schon als Kind. Kann mich aber daran nicht erinnern. Der Stil ist unverkennbar franco-belgisch. Das waren auch die Comics, die mich seit meiner Kindheit begleitet haben. Also die Einzigen, die es in der Dorfbibliothek gab. Spirou & Fantasio, Gaston, Lucky Luke, Asterix etc…

Leider fallen mir keine Geschichten ein, die ich zeichnen kann. Durch diese Unfähigkeit und auch durch meine Abneigung Hintergründe zu zeichnen, fixiere ich mich auf das Einzelbild. Da ich mich beim Zeitunglesen so oft ärgere oder denke da fehlt was, habe ich angefangen Männchen in Photos hineinzuzeichnen.

Du hast in den Ausgaben August/September und im Oktober beides mal das Thema männliches Geschlechtsorgan auf den Bildern dargestellt. Ist das Zufall, oder willst Du uns was damit sagen? Hast Du ein Problem mit dem männlichen Geschlechtsteil im Allgemeinen und mit Deinem im Speziellen?

Gute Frage. Äöh... hüstel... nö. Das war Zufall und die beiden Bilder haben nichts miteinander zu tun. Fällt mir gerade selbst erst auf.

Du kanntest den FREIeBÜRGER schon, bevor Du dort anfingst zu schreiben?

Ja, hab den in meiner Zeit in Freiburg regelmäßig gekauft. Zugegeben, der lag dann bei uns auf dem Klo. Aber reingeguckt und ein bisschen gelesen hab ich eigentlich immer. Finde die Idee Straßenzeitung supi und hochgradig unterstützenswert, aus diesem Grund bin ich selbstverständlich auch ehrenamtlich dabei.

Das Wort Ehrenamt war mir immer ein Gräuel. Es erinnerte mich immer an Sportverein oder Posaunen-Chor .Mit den Jahren, in denen ich mich engagiert habe, hat das Wort in meinen Sprachschatz zurückgefunden und bedeutet genau dies, eine Ehre, was zu tun, ohne was dafür zu wollen. Ich lese mal den Artikel im Oktober quer.

rock1234 alias Dirk Spannagel

Da fällt mir auf, dass Du zwar recht schön und lesbar schreibst, aber ich verstehe den Zusammenhang nicht. Da kommt Bud Spencer, Völkerschlacht, Artikel 8 GG, Nazis, Papst, MDR und Tiki-Männchen vor.
Ein breit gefächertes Spektrum. Gibt es eine Rote Linie, die Du verfolgst?

Das ist richtig, wenn auch unbeabsichtigt. Leider verheddere ich mich beim Schreiben regelrecht. Versuche aber immer irgendwie zum Bild zurückzukommen.

Außerdem muss ich gestehen, dass ich kein Konzept habe, nach dem ich schreibe. Ich hab ein Skizzenbuch, in dem ich mir Dinge notiere, die mir aufgefallen sind. Wort- und Satzfragmente, die ich sammle.

Aus diesen bastle ich meine Kolumne.So wirr der Text ist, so viele Gedankensprünge er hat und so einfach er geschrieben ist, so bin ich am Ende auch .
Letztendlich soll der Leser sich unterhalten fühlen.

Eine letzte geografische Frage: Du hast ja lange unter Südbadenern gelebt und bist nun in Sachsen gelandet.
Hast Du schon irgendwelche Unterschiede bemerkt. Ticken die Leipziger anders?

Ich war überrascht, dass hier selbst das Bäckereifachpersonal nett und freundlich gesinnt ist. Das kannte ich aus Freiburg so nicht.

Was auch daran liegen mag, dass ich aus der Hohenlohe komme und der Südbadener diesen Dialekt
mit dem Schwäbischen verwechselt, was vollkommen falsch ist. In Leipzig ist Hochdeutsch die Umgangssprache.
Was mir sehr positiv auffällt, ist die autonome Bewegung, die hier allgegenwärtig ist. Das kommt mir ein bisschen wie ein Time-Warp vor.

 

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